Als Michael Leary von den US-Angriffen auf den Iran erfuhr, zögerte er. Der 19-jährige Student fragte sich, ob dieser militärische Schlag noch mit dem «America First»-Versprechen vereinbar sei, für das er Donald Trump bei der letzten Präsidentschaftswahl seine Stimme gegeben hatte.
Zwar begrüsste Leary den Tod des iranischen geistlichen und politischen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei. Doch die Sorge bleibt, dass die USA in einen weiteren endlosen Konflikt im Nahen Osten hineingezogen werden könnten. «Einer meiner Gründe für Trump war 'America First'», sagte Leary, der 2024 zum ersten Mal gewählt hat. Der aktuelle Kurs fühle sich jedoch wie ein Rückschritt an.
Diese Mischung aus Zustimmung zum Schlag gegen Teheran und der Furcht vor einem «Regime Change»-Abenteuer spiegelt die Stimmung vieler junger Wähler wider. Eine Gesprächsrunde mit Studenten am Saint Anselm College im US-Bundesstaat New Hampshire zeigt: Die Geduld der jungen Männer, die 2024 massgeblich zu Trumps Wahlsieg beitrugen, ist begrenzt. Sollte der Konflikt, der bereits auf den Libanon übergegriffen und die Ölpreise in die Höhe getrieben hat, nicht rasch beendet werden, droht Trump eine wichtige Wählergruppe zu entgleiten.
Junge Männer sorgten bei der Wahl 2024 für eine der grössten Überraschungen, als sie ins Lager von Trump wechselten, nachdem die Demokraten jahrelang bei der Jugend dominiert hatten. 2024 hatte der Republikaner noch 46 Prozent der Männer zwischen 18 und 29 Jahren für sich gewonnen, wie Nachwahlbefragungen des Pew Research Center zeigen. Der Wert lag zwar unter den 51 Prozent, auf die seine demokratische Rivalin Kamala Harris kam. Aber im Vergleich zu 2020 konnte Trump in der Wählergruppe deutlich zulegen. Damals stimmten nur 39 Prozent der jungen Männer für ihn, während sein damaliger Kontrahent Joe Biden auf 53 Prozent kam.
Doch jüngste Umfragen zeigen, dass Trumps 2024 erhaltener Zuspruch angesichts der Frustration über die hartnäckige Inflation und das von vielen als zu brutal kritisierte Vorgehen gegen Einwanderer bröckelt. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos lag die Zustimmung in der Gruppe der 18- bis 29-jährigen Männer im Februar nur noch bei 33 Prozent nach 43 Prozent im Vorjahresmonat. Eine CNN-Umfrage ergab zudem, dass Wähler zwischen 18 und 34 Jahren die stärkste Ablehnung gegen die Iran-Schläge hegen: 71 Prozent sprachen sich dagegen aus.

