Nach wochenlangen Demonstrationen ist der Iran am Freitag weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten worden. Die Behörden schalteten das Internet ab, um die sich ausweitenden Proteste einzudämmen. Zudem wurden Flüge gestrichen, Telefonanrufe in das Land kamen nicht durch. Der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei warf den Demonstranten vor, im Sinne von US-Präsident Donald Trump zu handeln. Randalierer griffen öffentliches Eigentum an, sagte er. Die Teheraner Führung werde nicht tolerieren, dass Menschen als «Söldner für Ausländer» agierten, drohte das geistliche und politische Oberhaupt der Islamischen Republik.
Die Proteste, die Ende des vergangenen Monats wegen der steigenden Inflation und der schwächelnden Wirtschaft begannen, haben sich zur grössten Unruhewelle seit drei Jahren entwickelt. Aus allen Provinzen werden Demonstrationen gemeldet, Menschenrechtsgruppen dokumentierten Dutzende von Todesfällen. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von brennenden Bussen, Autos und Motorrädern sowie von Bränden in U-Bahn-Stationen und Banken. Es beschuldigte die Oppositionsgruppe Volksmudschahedin (MKO), für die Unruhen verantwortlich zu sein.
Oppositionsgruppen von Exil-Iranern riefen für Freitag zu weiteren Protesten auf. Resa Pahlawi, der im Exil lebende Sohn des verstorbenen Schahs, forderte die Iraner in den sozialen Medien auf, auf die Strasse zu gehen. US-Präsident Trump, der Teheran vergangene Woche angedeutet hatte, den Demonstranten zu Hilfe kommen zu können, schloss ein Treffen mit Pahlawi jedoch aus.
Aus französischen Diplomatenkreisen hiess es, der Iran solle grösstmögliche Zurückhaltung gegenüber den Demonstranten zeigen. Bundesaussenminister Johann Wadephul hatte die Führung in Teheran am Donnerstag zur Mässigung aufgerufen. Der Iran hat schon früher weitaus grössere Unruhen unterdrückt. Das Land befindet sich jedoch wegen der seit September wieder eingeführten internationalen Sanktionen im Zusammenhang mit seinem Atomprogramm in einer ernsteren wirtschaftlichen Lage.
(Reuters)

