Das iranische Verhandlungsteam habe den Austausch von Nachrichten über Vermittler ausgesetzt, meldete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am Montag. Als Grund wurden die jüngsten israelischen Militäraktionen im Libanon genannt. Tasnim zufolge wird es erst dann wieder Gespräche zur Beendigung des seit drei Monaten andauernden Iran-Kriegs geben, wenn die Forderungen des Irans erfüllt sind. Dazu gehören ein sofortiges Ende der israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen und im Libanon sowie der vollständige Abzug Israels aus den besetzten Gebieten im Libanon.
Die ohnehin brüchigen Waffenstillstände in der Region geraten damit weiter unter Druck. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi erklärte auf der Plattform X, ein Bruch der Feuerpause an einer Front sei ein Bruch an allen Fronten. Die USA und Israel seien für die Folgen verantwortlich. Das israelische Militär forderte dessen ungeachtet die Bewohner der südlichen Vororte von Beirut zur Evakuierung auf und drohte mit neuen Angriffen, sollte die Hisbollah-Miliz weiterhin Raketen abfeuern. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu befahl, die Truppen im Libanon weiter vorrücken zu lassen. Er warf der vom Iran unterstützten Hisbollah wiederholte Verstösse gegen die Ende April vereinbarte Feuerpause vor.
Auch zwischen den USA und dem Iran kam es trotz einer seit Anfang April bestehenden Waffenruhe zu neuen militärischen Spannungen. Die iranischen Revolutionsgarden teilten am Montag mit, sie hätten als Reaktion auf US-Angriffe im Süden des Irans einen von den Amerikanern genutzten Luftwaffenstützpunkt attackiert. Das US-Militär hatte am Wochenende nach eigenen Angaben iranische Luftabwehrstellungen und Drohnen angegriffen, nachdem eine amerikanische Drohne über internationalen Gewässern abgeschossen worden war. In der Nacht zum Montag fingen US-Streitkräfte nach Militärangaben zwei iranische ballistische Raketen ab, die auf amerikanische Truppen in Kuwait gerichtet waren. Kuwait aktivierte seine Luftabwehr und verurteilte die Angriffe.
Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete zudem, der Iran und die mit ihm verbündete «Widerstandsfront» - zu der auch Gruppen im Jemen, im Libanon und im Irak gehören - planten eine vollständige Blockade der Strasse von Hormus. Darüber hinaus sollte eine weitere Front an der Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste des Jemen eröffnet werden, um Israel und dessen Unterstützer zu bestrafen. Der am 28. Februar begonnene Krieg hat zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen geführt, da der Iran die für den weltweiten Öl- und Erdgastransport entscheidende Strasse von Hormus faktisch gesperrt hat. Über Bab al-Mandab läuft ein Grossteil des Schiffsverkehrs in Richtung Suezkanal.
An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für Unruhe: Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich um bis zu 6,9 Prozent auf 97,45 Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl WTI stieg um knapp acht Prozent auf bis zu 94,30 Dollar. Der deutsche Aktienleitindex Dax in Frankfurt geriet am Nachmittag unter Druck und rutschte unter die Marke von 25.000 Punkten.
US-Präsident Donald Trump zeigte sich dennoch zuversichtlich und erklärte auf einer Social-Media-Plattform, der Iran wolle «wirklich ein Abkommen erreichen». Er wies Kritik an den Verhandlungen zurück und rief zur Gelassenheit auf. Das iranische Aussenministerium warf Washington dagegen eine widersprüchliche Haltung vor. Die US-Regierung ändere ständig ihre Positionen und stelle neue Forderungen, sagte Ministeriumssprecher Esmaeil Baghai am Montag. Dies verzögere die Verhandlungen. Der Iran betrachte das Vorgehen Israels in der Region als untrennbar mit der Politik der USA verbunden.
Trump steht vor den US-Kongresswahlen im November unter Druck, die Strasse von Hormus wieder zu öffnen und die Benzinpreise in den USA zu senken. Gleichzeitig droht ihm bei zu grossen Zugeständnissen an Teheran Widerstand aus den eigenen Reihen. Als sein wichtigstes Ziel in dem Konflikt nennt Trump die Verhinderung einer iranischen Atombombe. Der Iran bestreitet nukleare Rüstungspläne und fordert im Gegenzug die Aufhebung von Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Öleinnahmen im Wert von mehreren Milliarden Dollar sowie ein Ende der Blockade seiner Häfen.
(Reuters)

