Das geht aus den Angaben von drei mit den Vorgängen vertrauten Personen hervor. «Tage vor dem Anschlag in Russland teilte Teheran Moskau Informationen über einen möglichen grossen Terroranschlag in Russland mit», sagte eine der Personen Reuters. Dies hätten iranische Experten bei Verhören von Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Anschlag Anfang Januar bei der Gedenkfeier für einen General der Revolutionsgarden in Kerman erfahren. Auch die USA hatten Russland auf Informationen über einen geplanten Schlag hingewiesen.

Der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow erklärte am Montag zu den Angaben, es habe keine iranischen Warnungen vor einem Anschlag gegeben. Das iranische Aussenministerium nahm zu den Angaben zunächst nicht Stellung.

Vergangenen Monat waren mindestens 144 Menschen bei dem Anschlag auf eine Moskauer Konzerthalle getötet worden. Putin sieht zwar radikale Islamisten als Täter, vermutet aber die Ukraine als Drahtzieher hinter dem verheerenden Anschlag. Ein vor allem in Afghanistan aktiver Ableger der Extremistenmiliz Islamischer Staat (Islamischer Staat Provinz Khorasan, ISPK) hat sich zu dem Angriff auf Zivilisten in Moskau bekannt. Der iranische Geheimdienst hat nach dem Anschlag von Kerman eigenen Angaben zufolge im Januar 35 Verdächtige festgenommen, darunter einen ISPK-Kommandeur.

Eine zweite Person, mit der Reuters gesprochen hat, sagte zu den Ergebnissen der Verhöre im Iran: «Sie (die ISPK-Mitglieder) wurden angewiesen, sich auf einen wichtigen Einsatz in Russland vorzubereiten.» Einer der Verhafteten habe angegeben, einige Attentäter seien zu dem Zeitpunkt bereits nach Russland eingereist. Die dritte Person, ein hochrangiges Mitglied der Sicherheitskräfte, sagte Reuters: «Da der Iran seit Jahren Opfer von Terroranschlägen ist, sind die iranischen Behörden ihrer Verpflichtung nachgekommen, Moskau auf der Grundlage der von den verhafteten Terroristen erhaltenen Informationen zu alarmieren.»

An den Anschlägen in Kerman und in Moskau waren tadschikische Staatsangehörige beteiligt. Nach Erkenntnissen von Sicherheitsexperten wirbt der ISPK vor allem in der verarmten ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan neue Mitglieder an. Insider-Angaben zufolge hat deswegen die iranische Regierung Kontakt mit der tadschikischen aufgenommen. Der sunnitisch geprägte IS ist erklärter Gegner der im Iran dominierenden schiitischen Glaubensausrichtung im Islam.

(Reuters)