Der Iran hat mit Angriffen auf Häfen in den Golfstaaten gedroht, sollte die US-Marine iranische Schiffe bei der Fahrt über die Strasse von Hormus blockieren. Das zuständige US-Regionalkommando (Centcom) teilte mit, die Blockade beginne am Montag um 16.00 Uhr (MESZ). Sie richte sich unparteiisch gegen ‌Schiffe aller ⁠Nationen, die iranische Häfen und Küstengebiete am Persischen Golf und am Golf von Oman anliefen oder verliessen. Am Wochenende waren erste Gespräche zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Krieges vorläufig gescheitert. ⁠Die Ölpreise legten infolge am Montag wieder deutlich zu, da eine rasche Wiedereröffnung der Strasse von Hormus nicht in Sicht ist.

Der Iran hat die Meerenge seit Kriegsbeginn Ende Februar für alle Schiffe ausser den eigenen faktisch gesperrt. Iranische Regierungsvertreter ‌haben erklärt, sie wollten die Durchfahrt ausschliesslich unter ihrer Kontrolle und gegen eine Gebühr gestatten. US-Präsident Donald Trump kündigte an, nun zudem iranische Schiffe ‌sowie alle Schiffe, die dem Iran eine Maut zahlen, zu blockieren. Zwei mit dem Iran ​in Verbindung stehende Tanker, die «Aurora» und die «New Future», verliessen die Meerenge am Montag kurz vor Inkrafttreten der US-Blockade. Sie hatten Ölprodukte und Diesel geladen, wie aus Daten des Anbieters LSEG hervorgeht.

Die iranischen Streitkräfte bezeichneten die US-Einschränkungen in internationalen Gewässern staatlichen Medien zufolge als illegal und als «Piraterie». Sollten iranische Häfen bedroht werden, werde kein Hafen am Persischen Golf oder am Golf von Oman sicher bleiben, teilte das Militär mit. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, die Annäherung von Militärschiffen an die Meerenge werde als Verletzung der Waffenruhe gewertet. Die am vergangenen Dienstag vereinbarte Waffenruhe soll zunächst zwei Wochen anhalten.

«Feindschaft erzeugt Feindschaft»

Trump schrieb am Sonntag in ‌den sozialen Medien, niemand, der eine illegale Maut zahle, werde auf hoher See sicheres Geleit haben. «Jeder Iraner, der auf uns oder auf friedliche Schiffe schiesst, wird in die Hölle gebombt!», fügte er hinzu. Nach Verkündung der Waffenruhe hatte Trump den Sieg für die USA erklärt, obwohl er seine zu Kriegsbeginn formulierten Ziele bislang nicht erreicht hat. Dazu zählten die Ausschaltung der iranischen Angriffsfähigkeit, die Beendigung des Atomprogramms und die ​Erleichterung eines Regierungssturzes durch die iranische Bevölkerung.

Bei den Gesprächen am Wochenende in Islamabad hatte der Iran Trumps Forderung zur Öffnung der Strasse von Hormus ​ignoriert und eigene Bedingungen gestellt. Dazu gehörten die Anerkennung seiner Kontrolle über die Meerenge, die Aufhebung aller Sanktionen sowie der ​Abzug der Truppen aus den grossen US-Militärstützpunkten im Nahen Osten. Der Iran verfügt weiterhin über Raketen und Drohnen, die Nachbarn am Golf treffen können, sowie über mehr als 400 Kilogramm Uran, das fast bis zur Waffenfähigkeit angereichert ist. Die iranische Führung, ‌die zu Jahresbeginn mit einem Volksaufstand konfrontiert war, hielt den US-Angriffen ohne Anzeichen einer organisierten Opposition stand.

US-Vertretern zufolge lehnte der Iran bei den Gesprächen die Forderungen ab, das Uran aufzugeben, die künftige Anreicherung zu beenden und die Finanzierung seiner regionalen Verbündeten einzustellen. Iranische Regierungsvertreter erklärten, sie seien in einer stärkeren Position als zuvor. Sie würden einem Abkommen ausschliesslich zustimmen, wenn die USA weitere Zugeständnisse machten. Der Iran sei bei den ​Gesprächen mit Maximalforderungen, ständigen ​Zieländerungen und einer Blockade durch die USA konfrontiert worden, sagte Aussenminister Abbas Araghtschi. «Null Lektionen gelernt», fügte er ⁠hinzu. «Guter Wille erzeugt guten Willen. Feindschaft erzeugt Feindschaft.»

«Geniessen Sie die aktuellen Zahlen»

Die Ölpreise, die in der vergangenen Woche ​nach der Ankündigung der Waffenruhe nachgegeben hatten, stiegen ⁠am Montag um mehr als sieben Prozent auf über 100 Dollar pro Barrel. Als Reaktion auf die hohen Energiekosten stellte die Bundesregierung am Montag in Berlin ein Entlastungspaket für Bürger und Unternehmen vor. Dazu ‌gehört eine auf zwei Monate befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe um 17 Cent pro Liter. Die hohen Preise setzen auch Trump innenpolitisch zunehmend unter Druck.

Der US-Präsident hatte lange erklärt, ein Anstieg der US-Benzinpreise werde von kurzer Dauer sein. Dem Sender Fox News sagte er jedoch, die Preise könnten bis zu den Zwischenwahlen im November hoch ‌bleiben. Der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf veröffentlichte in den sozialen Medien eine Karte der Benzinpreise im Raum Washington. «Geniessen Sie die aktuellen Zahlen an den ​Zapfsäulen», schrieb er dazu. «Mit der sogenannten Blockade werden Sie bald nostalgisch an Benzin für vier bis fünf Dollar zurückdenken.»

Frankreich kündigte eine Konferenz zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Strasse von Hormus an. Diese Konferenz werde sein Land gemeinsam mit Grossbritannien in den kommenden Tagen organisieren, teilte Präsident Emmanuel Macron auf der Online-Plattform X mit. Dabei gehe es um einen multinationalen und klar defensiven Marineeinsatz, der getrennt von den Kriegsparteien agieren solle, sobald ‌die Lage dies erlaube. Ob Deutschland daran teilnimmt, liess ​ein Regierungssprecher in Berlin am Montag offen.

(Reuters)