Zugleich kündigte ‌er in einer am ⁠Donnerstag im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung Vergeltung für die im Krieg Getöteten an. Der Iran werde nicht davor zurückschrecken, das Blut seiner Märtyrer zu rächen, hiess es in der ersten öffentlichen Stellungnahme Chameneis seit seiner ⁠Wahl zum geistlichen und politischen Oberhaupt der Islamischen Republik am Montag. Israel hat bereits erklärt, auch das neue Oberhaupt des Irans werde getötet werden - Ajatollah Ali Chamenei, der jahrzehntelang den Iran führte, kam zu Beginn des Krieges vor fast zwei ‌Wochen bei einem Angriff ums Leben. Dass dies und der massive Beschuss der richtige Weg zum Sturz der Führung in Teheran sein ‌könnte, wird in der iranischen Opposition allerdings bezweifelt.

Modschtaba Chamenei erklärte, die Strasse von Hormus vor der iranischen ​Küste, durch die ein Fünftel des weltweiten Erdölbedarfs verschifft wird, müsse geschlossen bleiben, um Druck auf den Feind auszuüben. Da der Schiffsverkehr in der Meerenge praktisch zum Erliegen gekommen ist, sind die Ölpreise erheblich gestiegen. Chamenei forderte auch die Schliessung aller US-Militärstützpunkte in der Region, da sie vom Iran angegriffen würden. «Wir glauben an die Freundschaft mit unseren Nachbarn und greifen nur die Stützpunkte an», erklärte er. «Und wir werden dies unweigerlich fortsetzen.»

Die USA und Israel einerseits und der Iran andererseits setzten ihre Angriffe fort. In einem irakischen Hafen gerieten zwei Tanker in Brand, nachdem sie von mutmasslich iranischen, mit Sprengstoff beladenen Booten ‌getroffen worden waren. Stunden zuvor waren bereits drei Schiffe im Persischen Golf getroffen worden. Die iranischen Revolutionsgarden bekannten sich zu mindestens einem dieser Angriffe, einer Attacke auf einen thailändischen Massengutfrachter, der in Brand geriet. Den Garden zufolge hat das Schiff ihre Befehle missachtet. Die Besatzung eines weiteren Containerschiffs meldete, ihr Frachter sei in der Nähe der Vereinigten Arabischen Emirate von einem Geschoss unbekannter Herkunft getroffen worden. Dies stellt eine Eskalation ​der Angriffe dar und widerlegt die Äusserungen von US-Präsident Donald Trump, der vor fast zwei Wochen begonnene Krieg sei «so gut wie abgeschlossen».

Die USA und Israel ​haben am 28. Februar begonnen, den Iran aus der Luft zu bombardieren. Der Iran hat seinerseits mit Angriffen auf Israel ​reagiert und auch Ziele in den Golf-Staaten mit der Begründung beschossen, dass dort US-Militärstützpunkte liegen, die für Angriffe genutzt werden. Bei den Bombardierungen wurden nach iranischen Angaben bislang rund 2000 Menschen getötet. Zudem wurden grosse Teile des Militär- und Sicherheitsapparats beschädigt, ‌wie die USA und Israel angeben.

Der Krieg hat sich mit Beginn der Angriffe Israels auf den Libanon am 2. März erheblich ausgeweitet. Das israelische Militär weitete seine Evakuierungsbefehle für den Südlibanon aus. Damit hat sich die betroffene Zone fast verdoppelt. Im Libanon sind bereits mehr als 800.000 Menschen vertrieben worden. Nach libanesischen Angaben wurden knapp 700 Menschen bei israelischen Angriffen auch auf die Hauptstadt Beirut getötet. Israels erklärtes Ziel ​ist die Entmachtung ​der radikal-islamischen Hisbollah im Libanon. Sie hat auf den Angriff auf den Iran mit dem Beschuss von ⁠Zielen in Israel reagiert. Die Hisbollah ist eng mit dem Iran verbündet - wie auch die Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen.

Chamenei rief die ⁠Bevölkerung seines Landes auf, am bevorstehenden Al-Kuds-Tag teilzunehmen, um Solidarität mit den Palästinensern zu demonstrieren. Der Al-Kuds-Tag ist ein schiitischer Gedenktag und findet stets am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan statt - in diesem Jahr ‌ist dies der Freitag dieser Woche. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem. Allerdings haben die iranischen Sicherheitskräfte bereits auch damit gedroht, Proteste gegen die Führung und jegliche Form von Unruhe mit aller Härte niederzuschlagen. Erst im Januar wurden Massenkundgebungen gegen die Führung im ganzen Land mit äusserster Brutalität beendet. Tausende Menschen wurden getötet.

Um die Führung in ‌Teheran abzusetzen, ist nach Einschätzung von Oppositionellen aber ein Aufstand im Iran notwendig. Die Angriffe der USA und Israels seien nicht das geeignete Mittel, sagte ​Mohammad Mohaddesin, der aussenpolitische Leiter des Nationalen Widerstandsrates des Iran (NWRI), in Paris. «Der zwölftägige Krieg im Juni und der jetzige Krieg, der nun ebenfalls zwölf Tage andauert, haben bewiesen, dass Bombenangriffe das Regime nicht stürzen können.» Selbst mit 50.000 bewaffneten Soldaten am Boden sei die Unterstützung des iranischen Volkes notwendig. «Man braucht einen Volksaufstand», erklärte Mohaddesin. Die Kombination aus diesen Soldaten und einem Volksaufstand schaffe die Kraft, das Regime zu stürzen. Einen Einsatz von US-Bodentruppen halte er ‌aber nicht für realistisch, fügte er hinzu.

(Reuters)