Ungeachtet der Bemühungen um ein Friedensabkommen halten die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten an. Der Iran warf den USA am Dienstag einen «groben Verstoss» gegen die seit Anfang April geltende Waffenruhe vor und behielt sich das Recht auf Vergeltung vor. Die Flugabwehr habe eine US-Drohne abgefangen und auf eine weitere Drohne sowie einen Kampfjet im iranischen Luftraum geschossen, teilten die Revolutionsgarden mit. Iranischen Medien zufolge waren in der südlichen Region Hormosgan am frühen Morgen Explosionen zu hören.
Die USA räumten ein, Ziele im Süden des Iran angegriffen zu haben, darunter Boote zum Verlegen von Seeminen sowie Abschussanlagen für Raketen. Es habe sich aber um Massnahmen zum Schutz der eigenen Truppen gehandelt. Der von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellte baldige Abschluss eines Abkommens mit dem Iran zog sich derweil hin. Es könne noch «ein paar Tage» dauern, bis die Einigung ausgehandelt sei, sagte Aussenminister Marco Rubio.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete unter Berufung auf einen Insider, dass die Freigabe eingefrorener iranischer Gelder der letzte ernsthafte Knackpunkt für den Abschluss der Absichtserklärung sei. Konkret verlangt der Iran laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim die Freigabe von 24 Milliarden Dollar. Dies müsse in die Absichtserklärung mit den USA eingehen, die derzeit ausgehandelt werde. Rubio betonte wiederum, dass die Strasse von Hormus wieder geöffnet werden müsse. Die für den Öltransport wichtige Meerenge ist seit Beginn des Kriegs faktisch so gut wie gesperrt. Die Energiepreise sind deshalb weltweit in die Höhe geschossen.
Trump hatte am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social erklärt, die Gespräche mit dem Iran verliefen «gut». Gleichzeitig warnte er jedoch vor neuen Angriffen, sollten die Gespräche scheitern. Es werde «entweder ein grossartiges Abkommen für alle oder gar kein Abkommen» geben, schrieb er.
Details sind aber unklar, etwa wie mit dem Atomprogramm des Iran umgegangen werden soll. Insidern zufolge soll dieser Knackpunkt erst zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden. Doch auch andere Forderungen stehen im Raum. Ajatollah Modschtaba Chamenei erklärte etwa, dass die anderen Staaten in der Region «nicht länger als Schutzschild für US-Stützpunkte» dienen dürften. «Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen», schrieb das religiöse und politische Oberhaupt des Iran im Kurznachrichtendienst Telegram.
(Reuters)

