Die USA haben dem Iran Medienberichten zufolge einen 15-Punkte-Plan samt vorläufiger Feuerpause übermittelt, beissen jedoch beim Militär der ‌Islamischen Republik ⁠auf Granit. Ein Sprecher des Streitkräftekommandos sagte spöttisch an US-Präsident Donald Trump gerichtet, dass dieser offenbar mit sich selbst verhandle.

Der iranische Botschafter in Pakistan, das sich als ⁠Vermittler angeboten hat, erklärte, es gebe keine Gespräche zwischen dem Iran und den USA - weder direkte noch indirekte. Israel und der Iran setzten derweil am Mittwoch ihre gegenseitigen Bombardements fort, und auch aus Kuwait ‌und Saudi-Arabien wurden neue Drohnenangriffe gemeldet. Die USA bereiteten Insidern zufolge die Entsendung Tausender weiterer Soldaten in den Nahen Osten ‌vor - ungeachtet dessen, dass, wie von Trump wiederholt erklärt, Verhandlungen liefen.

Der Chefsprecher des von ​den mächtigen Revolutionsgarden dominierten iranischen Militärkommandos, Ebrahim Solfakari, dementierte dies allerdings. «Hat das Ausmass Ihrer inneren Zerrissenheit das Stadium erreicht, in dem Sie mit sich selbst verhandeln?», richtete er sich im staatlichen iranischen Fernsehen an Trump. «Leute wie wir können mit Leuten wie Ihnen niemals auskommen. Wie wir schon immer gesagt haben ... niemand wie wir wird sich mit Ihnen einlassen. Nicht jetzt. Niemals.»

Trump bekräftigte dagegen am Dienstag vor Journalisten in Washington, dass die USA «Verhandlungen» zur Beendigung des Kriegs führten - und zwar nach seinen Worten mit «den richtigen Leuten». ‌Die Iraner wollten unbedingt einen «Deal» erreichen. Mit wem konkret verhandelt wurde, sagte Trump aber nicht.

Bericht über angestrebte Feuerpause

An den Finanzmärkten schürten derweil Medienberichte Hoffnung auf eine baldige Entspannung. Die «New York Times» meldete, Washington habe dem Iran einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Kriegs im Nahen Osten übermittelt. Der israelische Sender Kanal 12 berichtete zudem unter Berufung auf drei Insider, ​dass die USA eine einmonatige Feuerpause anstrebten, um den Plan zu diskutieren. Dieser sehe die Auflösung des iranischen Atomprogramms, die Einstellung ​der Unterstützung für Gruppen wie die radikalislamische Hisbollah im Libanon sowie die Wiederöffnung der für den weltweiten ​Öl- und Flüssiggastransport enorm wichtigen Strasse von Hormus vor. Eine offizielle Bestätigung der Berichte lag nicht vor.

Aus der iranischen Führung verlautete bereits zuvor, dass man mit den USA nicht verhandeln könne, da Washington das ‌Land in den vergangenen zwei Jahren während hochrangiger Verhandlungen zweimal angegriffen habe. Der Iran habe «sehr schlechte Erfahrungen mit der amerikanischen Diplomatie» gemacht, sagte ein Sprecher des iranischen Aussenministeriums der Zeitung «India Today» am Dienstag. Es gebe keinen Dialog und keine Verhandlungen mit Washington, da sich die iranischen Streitkräfte auf die Verteidigung des Landes konzentrierten.

Auch am Mittwoch gingen die Luftangriffe in ​der Region weiter. ​Das israelische Militär teilte in einem Telegram-Beitrag mit, es habe eine Angriffswelle gestartet, die ⁠auf Infrastruktur in ganz Teheran abziele. Später hiess es, die israelische Luftwaffe habe zwei Produktionsstätten für Marine-Marschflugkörper in ​der iranischen Hauptstadt angegriffen. Die halbamtliche iranische ⁠Nachrichtenagentur SNN berichtete, in Teheran sei ein Wohngebiet getroffen worden. Rettungskräfte seien dabei, die Trümmer zu durchsuchen.

Die iranischen Revolutionsgarden teilten staatlichen Medien zufolge mit, eine neue Angriffswelle gegen ‌Ziele in Israel, darunter Tel Aviv, sowie gegen US-Stützpunkte in Kuwait, Jordanien und Bahrain gestartet zu haben. Kuwait und Saudi-Arabien erklärten, neue Drohnenangriffe abgewehrt zu haben, ohne jedoch anzugeben, woher die unbemannten Fluggeräte kamen. Am internationalen Flughafen von Kuwait wurde nach Angaben der Zivilluftfahrtbehörde ein Treibstofftank mit Drohnen angegriffen. Es ‌sei ein Brand ausgebrochen, zu Schaden gekommen sei niemand.

Der Krieg begann Ende Februar mit gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf ​den Iran. Er weitete sich rasch auf grosse Teile der Region aus, Tausende Menschen wurden inzwischen getötet. Die Energiepreise schossen weltweit in die Höhe. Insidern zufolge wird damit gerechnet, dass das Pentagon Tausende Elitesoldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten entsendet, was den massiven militärischen Aufbau der USA in der Region weiter verstärken würde. Bereits jetzt sind in der Region 50.000 ‌US-Soldaten stationiert.