Die Attacken verletzten nach Darstellung des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian die mit den USA vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe. Durch sie würden Verhandlungen sinnlos, erklärte er. Dennoch reisten iranische Unterhändler nach Pakistan, um sich dort am Samstag mit einer US-Delegation zu den ersten Friedensgesprächen zu treffen. Die Blockade der Strasse von Hormus blieb Schifffahrtsdaten zufolge weitgehend in Kraft. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, jetzt selbst Kontakte zur Führung in Teheran aufnehmen zu wollen.
Israel war vergangenen Monat parallel zum Krieg gegen den Iran in den Libanon einmarschiert, um die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz zu bekämpfen. Den libanesischen Behörden zufolge kamen am Mittwoch 254 Menschen bei schweren Angriffen ums Leben. Die israelische Regierung sieht den Einsatz nicht von der Feuerpause erfasst. Washington teilt diese Auffassung. Der Iran und der Vermittler Pakistan erklären jedoch, der Libanon sei ausdrücklich Teil der Vereinbarung gewesen. Auch Grossbritannien und Frankreich forderten eine Ausweitung der Feuerpause auf den Libanon. Einem pakistanischen Insider zufolge arbeitet die Regierung in Islamabad an Waffenstillständen für den Libanon und den Jemen. «Dies wird während der anstehenden Gespräche erörtert, und wir werden es regeln», sagte die mit den Diskussionen vertraute Person.
Das israelische Militär teilte mit, es habe den Neffen von Hisbollah-Generalsekretär Naim Kassim getötet, der als dessen persönlicher Sekretär fungiert habe. Zudem seien in der Nacht Brücken im Libanon angegriffen worden. Libanesischen Staatsmedien zufolge bombardierte Israel kurz vor Mitternacht und im Morgengrauen die südlichen Vororte Beiruts sowie am Donnerstagmorgen Städte im gesamten Süden des Landes. Die Hisbollah, die zunächst eine Aussetzung ihrer Angriffe auf Israel zugesagt hatte, nahm diese wieder auf.
Im Libanon wurde ein nationaler Trauertag ausgerufen. In den Krankenhäusern von Beirut versammelten sich Familien, um ihre getöteten Angehörigen zu identifizieren. Rettungskräfte suchten in der Nacht in den Trümmern nach Überlebenden. Die Angriffe trafen Wohngebiete ohne die sonst üblichen Vorwarnungen für die Zivilbevölkerung. Im Iran versammelten sich Menschenmengen, um das Ende der 40-tägigen Trauerzeit für den am ersten Kriegstag getöteten Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei zu begehen. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder aus Teheran, Kermanschah, Jasd und Sahedan. Die in Schwarz gekleideten Trauernden trugen iranische Flaggen sowie Porträts von Chamenei und dessen Sohn und Nachfolger Modschtaba. Grosse Gedenktafeln wurden aufgestellt, und an einem Gebäude hing eine riesige Hisbollah-Flagge.
Merz sagte in Berlin, Deutschland wolle sich verstärkt an der Suche nach einer Friedenslösung beteiligen und werde deshalb auch mit der iranischen Führung reden. «Wir tun das in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Partnern», sagte der Kanzler. «Unser Ziel ist, auf diesem Weg einen eigenen Beitrag zum Erfolg der anstehenden Verhandlungen zu leisten.» Dies sei auch der Zweck des Telefonats, das er noch am Donnerstag mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten führen werde. Seit Sommer 2025 hatte es keine hochrangigen Gespräche der Bundesregierung mit der iranischen Führung mehr gegeben.
Diesel-Preis in den USA fast auf Rekordhoch
Trumps Ankündigung einer Waffenruhe hat zwar den Anstieg der Referenzölpreise gebremst, die auf Finanzkontrakten für künftige Lieferungen basieren. Da jedoch ein Fünftel des weltweiten Angebots weiterhin feststeckt, steigen die aktuellen Preise für Öl und Treibstoffe weiter. Der Preis, den europäische und asiatische Raffinerien für Rohöl zahlen, stieg auf ein Rekordniveau von fast 150 Dollar pro Barrel. Bestimmte Produkte wie Kerosin waren noch teurer. Obwohl Europa und Asien bislang am stärksten betroffen sind, stieg der Einzelhandelspreis für Diesel in den USA am Donnerstag auf umgerechnet rund 1,50 Dollar pro Liter und lag damit nur knapp unter dem Allzeithoch.
Trump hatte die Waffenruhe am Dienstagabend kurz vor Ablauf eines von ihm gesetzten Ultimatums verkündet. Obwohl Trump den Sieg erklärt hat, hat Washington seine ursprünglichen Kriegsziele nicht erreicht: Die Fähigkeit des Irans, seine Nachbarn anzugreifen, wurde nicht beseitigt, das Atomprogramm ist intakt, und ein Sturz der Regierung durch die Bevölkerung blieb aus.
Der Iran verfügt weiterhin über Raketen und Drohnen sowie über einen Bestand von mehr als 400 Kilogramm Uran, das fast auf waffenfähiges Niveau angereichert ist. Die iranische Führung, die noch vor wenigen Monaten mit einem Massenaufstand konfrontiert war, überstand den Angriff der Supermacht ohne Anzeichen einer organisierten Opposition. Zudem hat sie ihre Fähigkeit demonstriert, die Kontrolle über die Strasse von Hormus auszuüben – trotz einer massiven US-Militärpräsenz in der Region, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde, um Verbündete zu schützen und die Schifffahrt zu sichern.
Die Führung in Teheran fordert für ein endgültiges Abkommen weitreichende Zugeständnisse der USA. Dazu gehören die vollständige Aufhebung der internationalen Finanzsanktionen, die die Wirtschaft des Landes lahmgelegt haben, sowie die Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormus, die zuvor für den gesamten Handel frei zugänglich war. Iranische Regierungsvertreter planen, Regeln für die Durchfahrt aufzustellen, einschliesslich einer möglichen Gebühr.

