Inmitten der stockenden Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran hat Israel weite Teile des Südlibanons zu einer neuen Kampfzone erklärt. Die Streitkräfte würden ‌in dem ⁠Gebiet mit grosser Härte gegen die libanesische Hisbollah-Miliz vorgehen, schrieb ein Militärsprecher auf der Plattform X. ⁠Die Zivilbevölkerung solle sich nördlich des Flusses Zahrani in Sicherheit bringen. Der Fluss verläuft etwa 40 Kilometer nördlich der ‌israelischen Grenze. Es ist das erste Mal, dass die Armee die ‌Räumung der gesamten Zone südlich des Zahrani anordnet. ​Zuvor galten Evakuierungsaufrufe für das Gebiet südlich des Flusses Litani, der näher an der Grenze liegt.

Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge flohen viele Menschen in die nördlich gelegene Hafenstadt Sidon. Dort halten sich bereits Tausende Vertriebene aus anderen Teilen des Südlibanons auf. Die neuen Evakuierungsaufrufe fielen mit dem muslimischen Opferfest Eid ‌al-Adha zusammen. Bereits am Dienstag hatte Israel mehr als 120 Angriffe im Süden und Osten des Libanons geflogen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte dazu, sein Land müsse weitere Massnahmen ergreifen, um die Gemeinden ​im Norden Israels vor der Hisbollah zu schützen. Das israelische Militär weitete ​zudem seine Bodenoperationen im Südlibanon über eine von seinen ​Truppen besetzte Sicherheitszone hinaus aus.

Die Hauptstadt Beirut blieb von neuen Angriffen verschont. Ranghohen israelischen Regierungsvertretern zufolge sieht Israel im Südlibanon ‌Handlungsfreiheit für sich, in Beirut jedoch weniger. Israel wolle nicht den Eindruck erwecken, ein mögliches Abkommen von US-Präsident Donald Trump mit dem Iran durch die Zerstörung von Gebäuden in der libanesischen Hauptstadt zu gefährden, ​sagten ​die Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Kämpfe im ⁠Südlibanon dauern trotz einer von den USA vermittelten und am ​16. April verkündeten Waffenruhe ⁠an. Seit Beginn der Feuerpause wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mindestens 608 Menschen im Libanon bei israelischen ‌Angriffen getötet. Auf israelischer Seite starben dem Militär zufolge in diesem Zeitraum zehn Soldaten, sechs davon durch Sprengstoffdrohnen der Hisbollah. Seit dem 2. März sind nach libanesischen ‌Angaben mehr als 3200 Menschen getötet worden. Damals hatte die Hisbollah zur ​Unterstützung ihres Verbündeten Iran das Feuer auf Israel eröffnet. Mehr als 1,2 Millionen Libanesen wurden seitdem durch israelische Angriffe und Evakuierungsanordnungen vertrieben.

(Reuters)