Es handele sich um einen Präventivschlag, erklärte Israel am frühen Samstagmorgen. US-Präsident Donald Trump teilte wenig später mit, die USA hätten mit einem Kampfeinsatz auf den Iran begonnen. Die Militäraktion habe den Namen «Operation Epic Fury» (übersetzt: Operation gewaltige Wut) erhalten. Der Iran kündigte umgehend einen Gegenschlag an. Eine erste Welle an Raketen und Drohnen sei gestartet worden, erklärten die Revolutionsgarden der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. Die Vergeltung werde vernichtend ausfallen, sagte ein Insider.
Der Angriff ereignete sich nur wenige Tage nach der dritten Runde indirekter Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über das Atomprogramm der Islamischen Republik. Die Gespräche wurden unter der Vermittlung des Omans wieder aufgenommen. Trump hatte zwar erklärt, dass er eine diplomatische Lösung in dem Konflikt bevorzuge, aber auch mehrfach mit militärischen Schlägen gedroht, sollte keine Einigung gelingen. Den USA geht es auch um das iranische Raketenprogramm.
Der erneute Angriff auf den Iran ist israelischen Verteidigungskreisen zufolge monatelang vorbereitet worden. Das Datum stehe seit Wochen fest. Polen sei über die Angriffe informiert gewesen, teilte Präsident Karol Nawrocki auf X mit. Der Krisenstab der Bundesregierung will am Mittag im Auswärtigen Amt zusammenkommen, um über die Lage zu beraten.
Den USA zufolge dürfte der Militäreinsatz mehrere Tage andauern. «Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir die unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime beseitigen», sagte Trump. Dem Iran dürfte es niemals gestattet werden, Atomwaffen zu besitzen, erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. «Es ist an der Zeit, dass alle Bevölkerungsgruppen im Iran das Joch der Tyrannei abschütteln und einen freien und friedliebenden Iran schaffen.»
Explosionen in mehreren iranischen Städten
In der iranischen Hauptstadt Teheran gab es mehrere Explosionen. Die Menschen seien in Panik davongerannt, berichteten Augenzeugen. An den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Viele Teheraner würden die Stadt verlassen. Im Süden der Hauptstadt seien mehrere Ministerien angegriffen worden, sagte ein iranischer Regierungsvertreter. Auch in anderen iranischen Städten wie Isfahan, Ghom, Karadsch und Kermanschah wurden staatlichen Medien zufolge Explosionen gemeldet. Auch am Rand der Millionenstadt Schiras im Süden des Irans sind der iranischen Nachrichtenagentur Irna zufolge Explosionen zu hören. Der iranische Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei hält sich laut einem Regierungsvertreter nicht in Teheran auf und ist an einen sicheren Ort gebracht worden.
Der Iran nahm auch mehrere US-Militärstützpunkte am Persischen Golf unter Beschuss. Die Ziele liegen in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Katar und Bahrain, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet.
In Israel selbst wurde bereits am Morgen Luftalarm ausgelöst, um die Bevölkerung vor einem möglichen Gegenschlag des Iran zu warnen, wie das israelische Militär mitteilte. Der Luftraum wurde demnach für den zivilen Luftverkehr geschlossen. Fluggesellschaften strichen zahlreiche Flüge nach Israel und die Region, darunter auch die Lufthansa.
Israel und der Iran hatten bereits im vergangenen Juni einen zwölftägigen Luftkrieg geführt. Sowohl Israel als auch dessen Verbündeter USA warnten wiederholt, dass sie erneut zuschlagen würden, falls der Iran seine Atom- und Raketenprogramme fortsetzen sollte. Die Vereinigten Staaten und der Iran haben im Februar die Verhandlungen wieder aufgenommen, um den jahrzehntelangen Streit auf diplomatischem Wege beizulegen. Um den Druck auf den Iran zu erhöhen, haben die USA Militär in die Region verlegt, darunter Flugzeugträger.
(Reuters)

