Im Iran-Krieg zeichnet sich eine weitere Eskalation ab. Israels Verteidigungsminister Israel Katz gab am Dienstag bekannt, dass der iranische Sicherheitschef Ali ‌Laridschani bei ⁠einem Angriff getötet worden sei. Laridschani wäre der ranghöchste Vertreter des Iran, der seit dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei am 28. Februar getötet wurde. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran lag zunächst nicht ⁠vor. Der neue Oberste Führer der Islamischen Republik, Modschtaba Chamenei, schloss einen Waffenstillstand aber kategorisch aus, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem ranghohen iranischen Regierungsvertreter erfuhr.

Wie Katz weiter mitteilte, wurde auch der Basidsch-Kommandeur Gholamresa Soleimani bei einem israelischen Angriff ausgeschaltet. ‌Die paramilitärische Einheit untersteht den Revolutionsgarden und wird oft gegen Proteste im Inland eingesetzt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, man schwäche die iranische ‌Führung, um dem Volk die Möglichkeit zum Sturz der Regierung zu geben. «Es wird nicht auf ​einmal geschehen, es wird nicht einfach sein», sagte Netanjahu. «Aber wenn wir hartnäckig bleiben, werden wir ihnen die Möglichkeit geben, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.»

Aus der iranischen Führung lag zunächst keine Stellungnahme vor. Staatliche iranische Medien veröffentlichten stattdessen eine handschriftliche Notiz Laridschanis zum Gedenken an getötete Seeleute. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter sagte, Chamenei habe Vorschläge zur Deeskalation zurückgewiesen, die von zwei Vermittlerstaaten überbracht worden seien. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für Frieden, bis die USA und Israel «in die Knie gezwungen sind, ihre Niederlage akzeptieren und Entschädigung zahlen», wurde der Ajatollah zitiert. Seine Haltung sei in seiner ‌ersten aussenpolitischen Sitzung «sehr hart und ernst» gewesen. Auch die US-Regierung unter Donald Trump hatte Insidern zufolge bereits Mitte März diplomatische Vorstösse von Verbündeten abgelehnt.

«Vertreibung nimmt unglaublich schnell zu»

Militärisch liessen beide Seiten keine Nachsicht erkennen, auch am Dienstag rissen die Angriffe nicht ab. In Tel Aviv und Jerusalem heulten Sirenen, der Iran meldete Drohnenangriffe auf den israelischen Rüstungskonzern Rafael. Zudem weitete der Iran seine Angriffe auf die Golfstaaten ​aus. Im Emirat Fudschaira wurde die Ölverladung nach einem erneuten Angriff teilweise gestoppt. In Abu Dhabi kam durch Trümmer einer abgefangenen Rakete ein Mensch ​ums Leben. Israels Armee nahm nach eigenen Angaben «Infrastruktur des iranischen Regimes» in Teheran sowie Hisbollah-Stellungen in Beirut ins Visier. ​Das israelische Militär hat Pläne für mindestens drei weitere Kriegswochen ausgearbeitet.

Prekär ist vor allem die humanitäre Lage im Libanon. «Die Vertreibung nimmt unglaublich schnell zu», sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Imran Riza. Hunderttausende hätten ihre Häuser verlassen müssen, viele nur mit ‌den Kleidern am Leib. Nach Angaben der Regierung in Beirut ist fast ein Fünftel der Bevölkerung auf der Flucht. Bei der israelischen Offensive sind demnach bislang über 800 Menschen getötet worden.

Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Kanada haben vor einer grossangelegten israelischen Bodenoffensive im Libanon gewarnt. Ein solcher Schritt hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen, hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der fünf ​Staaten vom Montagabend. Die ​Offensive müsse daher abgewendet werden. Die humanitäre Lage sei schon jetzt alarmierend. Zudem unterstützen die Länder ⁠die Bemühungen der libanesischen Regierung, die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz zu entwaffnen.

«Halten es nicht für optimal»

Der Krieg dauert nun ​bereits die dritte Woche an. Mindestens 2000 Menschen ⁠sind ums Leben gekommen, ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Die strategisch wichtige Strasse von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssigerdgashandels transportiert werden, bleibt weitgehend blockiert. ‌Dies treibt die Energiepreise und Inflationssorgen. US-Verbündete haben die Bitte von Präsident Trump zurückgewiesen, bei der Öffnung der Wasserstrasse militärisch zu helfen.

Die Europäische Union setzt nach den Worten ihrer Aussenbeauftragten Kaja Kallas im Konflikt um die Strasse von Hormus auf Diplomatie. Es müssten diplomatische Wege gefunden werden, um die Seestrasse offen zu halten, sagte Kallas der Nachrichtenagentur ‌Reuters. «Niemand ist bereit, seine Leute in der Strasse von Hormus in Gefahr zu bringen.» Damit reagiert sie auf die Forderung von US-Präsident Donald ​Trump, Kriegsschiffe zum Schutz der Handelsroute zu entsenden. Ähnlich wie Kallas äusserte sich in Berlin auch Bundesaussenminister Johann Wadephul. Die Bundesregierung hat eine Beteiligung an einem militärischen Einsatz in der strategisch wichtigen Meerenge ausgeschlossen.

Griechenland lehnt ein bilaterales Abkommen mit dem Iran zur freien Fahrt durch die Strasse von Hormus ab. «Wir halten es nicht für optimal, separate Vereinbarungen zu treffen», sagte Aussenminister George Gerapetritis bei einem Treffen mit Wadephul. Nötig sei vielmehr eine ‌dauerhafte Friedenslösung unter dem Schirm internationaler Organisationen wie den Vereinten ​Nationen. Die griechische Handelsflotte gehört zu den grössten der Welt.

(Reuters)