Das israelische Militär teilte mit, es habe in Teheran die Infrastruktur des «iranischen Terrorregimes» ins Visier genommen. Im Gegenzug feuerte der Iran Raketen auf Israel ab. In Tel Aviv heulten die Luftschutzsirenen, während die israelische Luftabwehr zu hören war. Auch andere Länder der Region waren erneut von iranischen Angriffen betroffen: Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten zum Beginn des muslimischen Festes des Fastenbrechens (Eid al-Fitr), eine Raketenbedrohung. Kuwait berichtete von einem Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie. Im Iran wurde zudem der Sprecher der Revolutionsgarden, Ali Mohammad Naini, bei einem Angriff getötet, wie das staatliche Fernsehen berichtete.
Bereits am Donnerstag hatte ein iranischer Raketenangriff eine Ölraffinerie in der israelischen Hafenstadt Haifa getroffen. Dies verursachte nach Angaben des israelischen Energieministeriums einen kurzen Stromausfall, jedoch keine grösseren Schäden. Zuvor hatte Israel das iranische Gasfeld South Pars bombardiert, das der Iran gemeinsam mit Katar nutzt. US-Präsident Donald Trump, der vor den Kongresswahlen im November bei seiner Kernwählerschaft anfällig für steigende Benzinpreise ist, forderte den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf, weitere derartige zu unterlassen. «Ich habe ihm gesagt: 'Tu das nicht', und er wird es nicht tun», sagte Trump.
Netanjahu erklärte später, Israel habe bei dem Angriff auf das Gasfeld allein gehandelt. Der Iran werde «dezimiert» und könne weder Uran anreichern noch ballistische Raketen herstellen. Für einen Umsturz in dem Land sei jedoch eine «Bodenkomponente» erforderlich, fügte er ohne weitere Erläuterungen hinzu. Einigen Experten zufolge hat der Krieg Netanjahus politische Position gestärkt. Für Trump bewirke er jedoch das Gegenteil: Er sei in einem Konflikt ohne klaren Ausweg gefangen, setze seine arabischen Verbündeten am Golf wachsenden Risiken aus und untergrabe die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die seine Rückkehr ins Amt befeuert habe.
Die Aussagen offenbaren Risse in der Abstimmung zwischen den USA und Israel. Trump erklärte, die USA hätten von dem Angriff auf South Pars nichts gewusst. Drei israelische Insider sagten dagegen, der Einsatz sei in Konsultation mit den USA erfolgt, werde aber wahrscheinlich nicht wiederholt. US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard wies im zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses auf unterschiedliche Ziele hin: «Die israelische Regierung hat sich darauf konzentriert, die iranische Führung auszuschalten. Der Präsident sagte, seine Ziele seien die Zerstörung der iranischen Abschusskapazitäten für ballistische Raketen, ihrer Produktionskapazitäten für ballistische Raketen und ihrer Marine.»
Das iranische Militär sprach von einer «neuen Phase im Krieg». Militärsprecher Ebrahim Solfaghari sagte staatlichen Medien zufolge: «Sollte es erneut zu Angriffen kommen, werden weitere Angriffe auf eure Energieinfrastruktur und die eurer Verbündeten nicht aufhören, bis sie vollständig zerstört ist.» Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden ergänzte, die Raketenproduktion laufe auf hohem Niveau weiter, es gebe keine Sorgen um Bestände.
Die gegenseitigen Angriffe auf die regionale Energieinfrastruktur haben die globalen Märkte weiter in Aufruhr versetzt. Der Chef von QatarEnergy sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die iranischen Angriffe auf die katarische Industriestadt Ras Laffan, in der rund ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases verarbeitet wird, hätten ein Sechstel der katarischen LNG-Exportkapazitäten zerstört. Der Schaden belaufe sich auf 20 Milliarden Dollar pro Jahr, die Reparaturen dürften drei bis fünf Jahre dauern. Das Unternehmen habe sich auf höhere Gewalt (Force Majeure) berufen.
Auch der wichtigste saudiarabische Hafen Yanbu am Roten Meer wurde am Donnerstag angegriffen. Dorthin hatte Riad Exporte umgeleitet, um die vom Iran blockierte Strasse von Hormus zu umgehen. Die Ölpreise gaben am Freitag jedoch nach, da westliche Staaten und Japan anboten, eine sichere Durchfahrt für Schiffe durch die Meerenge zu gewährleisten. Normalerweise fliesst ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung durch die Strasse von Hormus. Zudem kündigten die USA Schritte an, um ihre Ölförderung zu erhöhen.
Grossbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande und Japan hatten am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin drückten sie ihre Bereitschaft aus, zu geeigneten Bemühungen beizutragen, um eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu gewährleisten. Sie versprachen zudem weitere Schritte zur Stabilisierung der Energiemärkte, einschliesslich der Zusammenarbeit mit bestimmten Förderländern zur Erhöhung der Produktion. Führende europäische Politiker zeigten sich jedoch zurückhaltend, direkt in den Konflikt einzugreifen.
Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte, ein Beitrag zur Sicherung der Seewege könne erst nach einem Ende der Feindseligkeiten erfolgen. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte nach einem EU-Gipfel in Brüssel, die Verteidigung des Völkerrechts und die Förderung der Deeskalation seien das Beste, was man tun könne. «Ich habe hier niemanden gehört, der die Bereitschaft geäussert hätte, in diesen Konflikt einzutreten - ganz im Gegenteil», erklärte Macron. Die USA und Israel hatten ihre gemeinsamen Angriffe am 28. Februar begonnen. Dabei wurden der oberste geistliche Führer des Iran und weitere hochrangige Regierungsvertreter getötet. Der Krieg hat bereits Tausende Menschenleben gefordert, vor allem im Iran und im Libanon. Im Libanon kämpft Israel gegen die mit dem Iran verbündete Islamisten-Miliz Hisbollah.
(Reuters)

