Im Nahen Osten haben sich Israel und der Libanon nach Angaben ‌der US-Regierung ⁠auf die Umsetzung einer Waffenruhe geeinigt. Die Vereinbarung sei an die Bedingung geknüpft, dass die pro-iranische Hisbollah-Miliz ihre Angriffe vollständig einstelle und ⁠sich aus dem Gebiet südlich des Litani-Flusses zurückziehe, teilte das US-Aussenministerium am Mittwoch nach Verhandlungen in Washington mit. US-Präsident Donald Trump stellte zudem rasche Fortschritte bei ‌den Gesprächen über ein umfassenderes Abkommen mit dem Iran in Aussicht. «Wenn es passiert, könnte es ‌am Wochenende passieren», sagte Trump im Weissen Haus, ohne weitere ​Details zu nennen. Die Einigung zwischen Israel und dem Libanon nährt die Hoffnung auf ein Ende des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran.

Bereits im April hatten sich Israel und der Libanon auf eine Feuerpause geeinigt, die im Mai verlängert wurde. Die Kämpfe gingen jedoch weiter. Israel war im März in den Libanon einmarschiert, um die Hisbollah zurückzudrängen. Die Miliz hatte zuvor ‌das israelische Grenzgebiet unter anderem mit Raketen angegriffen. In der Woche vom 22. Juni wollen beide Seiten ihre direkten Gespräche fortsetzen, um ein umfassendes Abkommen zu erzielen und weitere offene Fragen zu klären.

Überschattet wurde die Annäherung jedoch von einer erneuten militärischen Eskalation am Persischen ​Golf. Bei einem Drohnen- und Raketenangriff auf den internationalen Flughafen von Kuwait wurden nach Angaben der ​dortigen Behörden ein Mensch getötet und mehr als 60 weitere verletzt. Während ​die iranischen Revolutionsgarden US-Abfangraketen für die Zerstörung verantwortlich machten, erklärte das US-Militär, der Iran habe den Flughafen gezielt angegriffen. Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte mit, es habe Vergeltungsschläge im ‌Süden des Irans ausgeführt. Dabei seien Raketenabschussanlagen, iranische Boote sowie Ziele auf der Insel Keschm nahe der Strasse von Hormus angegriffen worden. Die anhaltenden Spannungen liessen die Ölpreise um fast zwei Prozent steigen.

Die Meerenge, durch die vor dem Krieg etwa ein Fünftel der weltweiten ​Öl- und ​Flüssiggaslieferungen transportiert wurde, ist seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen ⁠Angriffe auf den Iran Ende Februar weitgehend gesperrt. Die Führung in Teheran hatte ein ​Abkommen mit den USA unter ⁠anderem an ein Ende der Kämpfe im Libanon geknüpft. Darüber hinaus fordert der Iran den Zugang zu milliardenschweren Öleinnahmen, Ausnahmen von ‌den Sanktionen für Rohölexporte sowie die Aufhebung der US-Blockade seiner Häfen.

Für Trump, der wegen hoher Benzinpreise unter Druck steht, hat es nach eigenen Worten oberste Priorität, den Iran vom Erwerb von Atomwaffen abzuhalten. Der geistliche Führer ‌des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, sei in die Verhandlungen eingebunden, sagte Trump in einem am Mittwoch ​veröffentlichten Podcast-Interview. Darin räumte er auch ein, den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem hitzigen Telefonat wegen der Kämpfe im Libanon als «verrückt» bezeichnet zu haben. Netanjahu sprach in einem Fernsehinterview von «taktischen Meinungsverschiedenheiten», betonte jedoch die Einigkeit in der Iran-Frage.

(Reuters)