Importe aus China sollten bis zu einer Grenze von acht Prozent der jährlichen Neuzulassungen in Europa zollfrei bleiben, darüber hinaus jedoch mit einem Zoll von 80 Prozent belegt werden, sagte Anfia-Präsident Roberto Vavassori am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. «Wir haben grössten Respekt vor dem, was die chinesische Industrie erreicht hat», erklärte Vavassori. «Aber dieser Respekt hat sich nun in Angst verwandelt.»
Verstärkt wird die Sorge der Zulieferer in Italien durch die Krise bei Volkswagen. Europas grösster Autobauer reduziert unter anderem wegen des Konkurrenzdrucks in China die Produktionskapazität und will weltweit bis zu 50'000 weitere Arbeitsplätze streichen. Von den 4,9 Milliarden Euro Exporten der italienischen Zulieferer nach Deutschland im vergangenen Jahr entfiel etwa eine Milliarde auf Volkswagen. Europa dürfe eine Industrie, die für seine strategische Autonomie unerlässlich sei, nicht verlieren, warnte Vavassori.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) drängte ebenfalls mit Blick auf die Krise bei Volkswagen, an dem das Land mit 20 Prozent beteiligt ist, auf Protektionismus für die heimische Autoindustrie. Während China seine lokalen Hersteller subventioniere und die USA Handelsschranken errichteten, dürfe Europa nicht naiv sein.
Daten des europäischen Automobilverbands ACEA zufolge stieg der Marktanteil chinesischer Marken in der EU im ersten Halbjahr auf über neun Prozent. Der Zoll müsse sowohl für Fahrzeuge als auch für Komponenten gelten, da Bauteile rund 80 Prozent des Werts eines Autos ausmachten, ergänzte der Anfia-Chef. Ohne Schutz vor chinesischen Importen könnten die italienischen Teileexporte bis 2028 um 40 bis 50 Prozent einbrechen. «Das wäre in der Tat das Ende der Geschichte.»
Die EU erhebt auf chinesische Elektroautos zusätzliche Zölle, die zusammen mit dem Standardzoll von zehn Prozent je nach Hersteller zwischen rund 18 und 45 Prozent liegen. Nach der geltenden Rechtslage werden Zölle in einem umfangreichen Prüfverfahren festgelegt.
Vavassori kritisierte zudem das geplante EU-Gesetz zur Industrieförderung (Industrial Accelerator Act). Dieses begünstige Importe aus Ländern wie Marokko oder der Türkei, die Freihandelsabkommen mit der EU haben, anstatt die europäische Produktion zu stärken. «So wie es jetzt formuliert ist, beschleunigt es nichts ausser dem angekündigten Tod der Automobilindustrie», sagte er. Chinesische Hersteller wie BYD oder Chery, die Werke in Europa aufbauen, hätten darüber hinaus kaum Interesse an einer lokalen Beschaffung. Ihre Fabriken in Europa seien reine Montagewerke («Schraubenzieher-Fabriken»), die den Grossteil der Komponenten weiterhin aus China oder Niedriglohnländern importierten.
(Reuters)

