Der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnt Notenbanken im Umgang mit den wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Krieges zur Vorsicht. Die Zentralbanken müssten zwar bereit sein, die Geldpolitik ‌zu straffen, ⁠um eine Inflationsspirale durch anhaltende Energiepreisschocks zu vermeiden, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Donnerstag. Zugleich müssten ⁠sie jedoch auf eine mögliche Abschwächung der Nachfrage achten, die gegen Zinserhöhungen spreche. Im Vorfeld der Jahrestagung von ‌IWF und Weltbank in der kommenden Woche erklärte sie, dass ‌die Notenbanken die Zinsen bei einem leichten Inflationsanstieg stabil ​halten könnten, falls die Waffenruhe im Iran-Krieg halte und der Ölpreisschock nur von kurzer Dauer sei. Dies käme de facto einer Lockerung der Geldpolitik gleich.

Georgiewa warnte die Währungshüter davor, die Zinsen voreilig anzuheben, nur weil sie auf die Inflation nach der Corona-Pandemie zu langsam ‌reagiert hätten. «Seien Sie wachsam, konzentrieren Sie sich auf die Rahmenbedingungen, denn wenn Sie vorzeitig und unnötig straffen, verpassen Sie dem Wachstum einen Dämpfer», sagte die IWF-Chefin. «Dann könnte die Nachfrage schrumpfen. Und dann ​wird aus einem Angebotsschock ein Angebots- und Nachfrageschock. Das könnte hässlich ​werden.» Zwar seien die kurzfristigen Inflationserwartungen gestiegen, die langfristigen hätten ​sich jedoch nicht verändert. Dies sei sehr gut und wichtig, um zu verhindern, dass die Erwartungen aus dem ‌Ruder laufen und eine teure Inflationsspirale auslösen.

Der am 28. Februar ausgebrochene Krieg zwischen dem Iran sowie den USA und Israel hat die weltweite Schifffahrt behindert und den Ölpreis um 50 Prozent ​in ​die Höhe getrieben. Der IWF hatte in dieser ⁠Woche davor gewarnt, dass der Konflikt unabhängig von seiner ​Dauer zu höheren Preisen ⁠und einem langsameren Wachstum führen werde.

Georgiewa betonte zudem, dass Fiskal- und Geldpolitik nicht in entgegengesetzte ‌Richtungen wirken dürften. Der IWF arbeite mit den Ländern an staatlichen Hilfspaketen, die mit Auslaufklauseln versehen seien, um ihre Befristung sicherzustellen. «Wenn man in diesem Moment schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme ‌auflegt, würde das die Geldpolitik stärker belasten», erklärte sie. «Es wäre so, ​als würde man mit einem Fuss auf dem Gaspedal und mit dem anderen auf der Bremse fahren - das ist nicht gut.» 

(Reuters)