Ein Forschungsschiff brach zu dem abgelegenen Minamitori-Atoll ‌auf, ‌das etwa 1.900 Kilometer südöstlich von Tokio liegt. Bei der einmonatigen Mission soll erstmals Schlamm, der reich an Seltenen Erden ist, kontinuierlich aus einer Tiefe von sechs Kilometern an die Meeresoberfläche befördert werden. Angesichts eines diplomatischen Streits mit Peking ​sind die Bemühungen, die Abhängigkeit von China zu verringern, drängender geworden.

China hatte vergangene ‌Woche den Export von Gütern mit zivilem und militärischem ‌Nutzen nach Japan verboten, darunter auch einige wichtige Mineralien. Zudem berichtete die Zeitung «Wall Street Journal», Peking habe damit begonnen, die Ausfuhr von Seltenen Erden nach Japan stärker einzuschränken. Die Finanzminister der G7-Staaten wollen sich einem Reuters-Bericht zufolge am Montag in Washington mit der Versorgung mit Seltenen Erden befassen.

Japan ist bei einigen schweren ⁠Seltenen Erden, die etwa für Magnete in Motoren von Elektro- und Hybridfahrzeugen benötigt werden, Analysten zufolge fast vollständig von China abhängig. Das bedeutet ein grosses Risiko für die wichtige Automobilindustrie des Landes.

Bereits im Jahr 2010 hatte China die ​Exporte nach einem Zwischenfall in der Nähe umstrittener Inseln im Ostchinesischen Meer gedrosselt. Seitdem ‌hat Japan seine Abhängigkeit von 90 auf 60 Prozent reduziert. ‍Dies gelang durch Investitionen in ausländische Projekte wie eine Kooperation des Handelshauses Sojitz mit dem australischen Unternehmen Lynas Rare Earths sowie durch die ​Förderung von Recycling. Das Projekt bei der Insel Minamitori ist jedoch der erste Versuch, Seltene Erden im eigenen Land zu gewinnen. «Die eigentliche Lösung liegt darin, Seltene Erden in Japan selbst zu fördern», sagte Takahide Kiuchi, Chefvolkswirt am ‌Nomura Research Institute.

Das Projekt ist langfristig angelegt. Die Regierung hat ⁠seit 2018 rund 40 Milliarden Yen (250 Millionen Dollar) investiert. Sollte der Versuch ‌erfolgreich sein, soll im Februar 2027 ein grossangelegter Abbauversuch folgen. Der Abbau des Schlamms galt bisher wegen hoher Kosten als unwirtschaftlich. Sollten ‍die Lieferunterbrechungen aus China jedoch anhalten und die Käufer bereit sein, höhere Preise zu zahlen, könnte das Projekt in den kommenden Jahren rentabel werden, sagte der Analyst Kotaro Shimizu von Mitsubishi UFJ ​Research and Consulting.

China beobachtet das Vorhaben genau. Als das Schiff im Juni vergangenen ‍Jahres Vermessungen in dem Gebiet vornahm, sei eine Flotte chinesischer Marineschiffe in der Nähe gefahren, sagte der Projektleiter Shoichi Ishii. «Wir sind zutiefst beunruhigt, dass es zu solchen Einschüchterungsversuchen kam.»

(Reuters)