Von ⁠Reuters befragte Ökonomen erwarten eine Zinserhöhung von 0,75 auf 1,0 Prozent - dieses ⁠Niveau wurde zuletzt 1995 erreicht. Eine weitere Anhebung auf 1,25 Prozent soll dann im vierten ‌Quartal folgen. Notenbankchef Kazuo Ueda wird der Zinsentscheidung am ‌Dienstag aufgrund eines Krankenhausaufenthalts fernbleiben. «Uedas Abwesenheit ​wird keinen Einfluss auf die strategische Entscheidung der japanischen Zentralbank haben, sich eher auf die zunehmenden Inflations- als auf die Wachstumsrisiken durch den Konflikt in Nahost zu konzentrieren», sagte Saisuke Sakai vom Mizuho Research Institute.

Es wäre die erste ‌Zinserhöhung seit Dezember und würde eine Kehrtwende vom bisherigen vorsichtigen Kurs der Währungshüter markieren, der auch von jahrelanger Negativzinspolitik geprägt war. Uedas Vorgänger hatte auf starke ​Konjunkturmassnahmen gesetzt, während sie unter seiner Führung wieder zur traditionellen Zentralbankenrolle ​der Inflationsbekämpfung zurückkehrte. Japan hatte zuletzt mit ​starken Preisanstiegen zu kämpfen. Hohe Energiepreise, steigende Importkosten aufgrund eines schwachen Yen und ein angespannter ‌Arbeitsmarkt befeuern die Inflation weiter.

Die japanischen Währungshüter gleichen ihren Kurs damit voraussichtlich dem von anderen Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) an, die am Donnerstag ihren Leitzins ​von 2,0 auf ​2,25 Prozent anhob. Bezüglich der ⁠weiteren Entwicklung werden die Analysten genau auf die ​Worte von Vize-Notenbankchef Shinichi ⁠Uchida achten. «Angesichts der grossen Unsicherheit wird die BOJ sich nicht auf einen ‌konkreten Zeitplan festlegen wollen», sagte Nobuyasu Atago, Chefökonom vom Rakuten Securities Economic Research Institute. «Wenn sie sich jedoch zu zurückhaltend über den nächsten ‌Schritt äussert, könnte dies den Yen schwächen, die Preise ​in die Höhe treiben und das Risiko erhöhen, hinter der Entwicklung zurückzubleiben.»

(Reuters)