Der kurzfristige Zins steige von 0,75 auf ein Prozent, teilte die Notenbank in Tokio ⁠mit. Damit reagieren die Währungshüter auf den Preisdruck, der durch die drastisch gestiegenen Energiepreise infolge des Krieges im Iran ‌ausgelöst wurde. Die Weitergabe der gestiegenen Ölpreise erfolge relativ schnell und berge ‌das Risiko, dass die Inflation das ​Ziel von zwei Prozent deutlich übersteige, hiess es zur Begründung. Die Entscheidung fiel in Abwesenheit von Notenbankchef Kazuo Ueda, der derzeit im Krankenhaus behandelt wird. Sein Stellvertreter Shinichi Uchida übernimmt nach dem zweitägigen Treffen die Kommunikation der Beschlüsse.

Trotz der Straffung blieben die Finanzierungsbedingungen vorerst locker, erklärte die BOJ. ‌Dennoch werde die Notenbank den Leitzins abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung weiter anheben. Ein schwacher Yen verteuert die ohnehin hohen Energieimporte für das Land zusätzlich. Dass Unternehmen die höheren Kosten bereits weitergeben, ​zeigte sich im Mai, als die Grosshandelsinflation auf ein Drei-Jahres-Hoch von 6,3 ​Prozent kletterte. Im Fokus der Finanzmärkte steht nun, wie ​sich das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran auf den weiteren Zinspfad auswirken wird. Die Zentralbank betonte, sie ‌werde die Auswirkungen der Lage im Nahen Osten sowie die weltweite Nachfrage im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) genau beobachten.

Die japanische Wirtschaft hat sich der BOJ zufolge moderat erholt, auch wenn das Wachstum ​künftig etwas ​an Fahrt verlieren dürfte. Die Gefahr einer ⁠deutlichen Abschwächung habe sich jedoch verringert. Wirtschaftsminister Minoru Kiuchi, der ​als einer von zwei Regierungsvertretern ⁠ohne Stimmrecht an der Zinssitzung teilnahm, betonte am Dienstag die Notwendigkeit einer engen Abstimmung. «Wir hoffen ‌sehr, dass die BOJ kommuniziert und eng mit der Regierung zusammenarbeitet», sagte er. Die Währungshüter gehen davon aus, dass die Kerninflation schrittweise steigen und zwischen der zweiten ‌Hälfte des Fiskaljahres 2026 und dem Fiskaljahr 2027 das Zielniveau von zwei ​Prozent erreichen wird. Mit dem Zinsschritt schliesst sich die BOJ anderen grossen Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) an, die ihre Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung ebenfalls gestrafft haben.

(Reuters)