Fast jeder, der schon einmal in einem Café oder Restaurant ein Heissgetränk zu sich genommen hat, kam dabei mit den rot eingepackten Karamellkeksen in Berührung, die unter dem Namen «Lotus-Kekse» bekannt sind. Ob das Gebäck nach jedermanns Geschmack ist oder nicht, ist die eine Frage – doch wer steckt eigentlich hinter dem Keks?

Lotus Bakeries ist hauptsächlich für sein Vorreiterprodukt Biscoff bekannt, setzt aber zunehmend auch auf Brotaufstriche und andere Snacks, die unterschiedliche Konsumentengruppen ansprechen sollen. So gehören mittlerweile auch die trendigen Nākd-Riegel oder die BEAR-Fruitrolls zum Sortiment.

Dabei werden sowohl der Markenaufbau in reifen Märkten als auch die Erschliessung neuer Märkte vorangetrieben. Zudem bewegt sich Lotus als Konsumgüterkonzern in einem defensiven Geschäftsumfeld. Die Nachfrage nach den Produkten bleibt auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten relativ stabil.

Regional gesehen kommt der grösste Anteil des Umsatzes weiterhin aus Europa, allerdings gewinnt Nordamerika seit mehreren Jahren zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig soll auch in asiatischen Märkten Fuss gefasst werden, die als wichtige Wachstumstreiber gelten. Der Marktstart von Biscoff in Indien zeigte dabei bereits nach wenigen Wochen eine hohe Vertriebsdichte mit über 300'000 Geschäften im Netz.

Im vergangenen Geschäftsjahr konnte der belgische Nahrungsmittelproduzent den Umsatz um rund 10 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro steigern, während der Nettogewinn um 13 Prozent zulegte. CEO Jan Boone führte die positive Entwicklung auf die hohe Nachfrage nach den Marken und Produkten des Unternehmens in verschiedenen Märkten zurück. Zudem setzt das 1932 gegründete Unternehmen auf eine engere Zusammenarbeit mit Mondelez International sowie auf eine beschleunigte Expansion in Asien.

Auch Analysten zeigen sich optimistisch. Goldman Sachs, die derzeit eine Kaufempfehlung aussprechen, sehen eine zunehmende globale Marktdurchdringung der Marke Biscoff. Trotz potenziellen Gegenwinds durch die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Medikamenten im Snackmarkt dürfte das Unternehmen nach Einschätzung der Experten über das nächste Jahrzehnt hohe Wachstumsraten beibehalten. Bis zum Geschäftsjahr 2030 rechnen die Analysten allein für Biscoff mit einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro.

Hohe Bewertung

Das Unternehmen gilt - trotz geringer Dividendrendite von 0,6 Prozent - als Dividendenaristokrat, der seine Dividende seit 25 Jahren kontinuierlich erhöht hat. Im Mai 2026 wurde im Vergleich zum Vorjahr eine um 14 Euro höhere Dividende von 90 Euro je Aktie ausbezahlt. Der Gewinn je Aktie lag bei 212,06 Euro, nachdem im Vorjahr noch 187,93 Euro erzielt worden waren.

Der Aktienkurs widerspiegelt das Wachstum: Der Kurs hat allein in diesem Jahr 32 Prozent an Wert gewonnen und notiert derzeit bei 10'800 Euro. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 9 Milliarden Euro. 

Die an der belgischen Börse gelistete Aktie wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 51 gehandelt – ein sehr hoher Wert. Viele Konsumgüterunternehmen bewegen sich typischerweise in einer Spanne zwischen 15 und 30. Die hohe Bewertung deutet darauf hin, dass Investoren auch in den kommenden Jahren mit einem starken Gewinnwachstum rechnen. Gleichzeitig erhöht dies die Anfälligkeit für Kursschwankungen: Bereits kleinere Enttäuschungen beim Umsatzwachstum oder bei den Margen könnten spürbaren Druck auf den Aktienkurs auslösen.

Derzeit empfehlen fünf Analysten den Titel zum Kauf, vier würden die Aktie halten, und nur eine Verkaufsempfehlung wird ausgesprochen. Das durchschnittliche Kursziel von 11'149 Euro impliziert 200 Euro Aufwärtspotenzial gegenüber dem derzeitigen Niveau von 10'940 Euro. Einige der Experten erachten sogar Kurse über 12'000 Euro als realistisch. 

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
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