Mehrere grosse Investmentbanken wie Barclays und Goldman Sachs verschieben ihre Prognosen für eine Lockerung der Geldpolitik von März auf Mitte 2026. Die Grossbank ​JP Morgan rechnet inzwischen sogar damit, dass der ‌nächste Schritt der Federal Reserve eine ‌Zinserhöhung um einen viertel Prozentpunkt im dritten Quartal 2027 sein wird. Bislang hatte sie noch für diesen Monat mit einer Lockerung der Geldpolitik gerechnet.

Auslöser für die Neubewertung sind die Arbeitsmarktdaten vom vergangenen ⁠Freitag. Zwar verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum im Dezember. Doch eine auf 4,4 Prozent gesunkene Arbeitslosenquote und solide Lohnzuwächse deuten darauf hin, dass der Beschäftigungsmarkt ​solide bleibt. Händler gehen mittlerweile mit einer Wahrscheinlichkeit von ‌95 Prozent davon aus, dass die ‍Fed die Zinssätze bei ihrer Januar-Sitzung unverändert lässt. Vor der Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten ​lag dieser Wert noch bei 86 Prozent.

Überschattet wird die Debatte über die Geldpolitik von einem eskalierenden Konflikt zwischen der US-Regierung und der Fed-Führung. Notenbankchef ‌Jerome Powell sagte am Sonntag, die Regierung ⁠von Präsident Donald Trump habe ihm ‌mit einer strafrechtlichen Anklage gedroht. Anlass sind dessen Aussagen vor dem Kongress zu den auf ‍rund 2,5 Milliarden Dollar gestiegenen Renovierungskosten am Hauptsitz der Fed in Washington.

Dies schürte Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank. ​Powell nannte den Schritt einen «Vorwand», um mehr Einfluss ‍auf die Zinspolitik zu gewinnen. Trump fordert seit langem drastische Zinssenkungen.

(Reuters)