Angesichts der jüngsten Outperformance der Aktien der Region verstärkt die amerikanische Grossbank JP Morgan die Untergewichtung von Aktien allgemein und insbesondere der Eurozone, während sie in Schwellenländern und chinesischen Aktien übergewichtet bleibt.

"Wir bleiben bei Risikoanlagen vorsichtig und zögern, dem Rallye der letzten Wochen nachzujagen, da die Rezessions- und übermässigen Zinsstraffungsrisiken hoch bleiben. Wir glauben, dass bereits viele gute Nachrichten in Bezug auf den Inflationsrückgang und das Potenzial für eine weiche Konjunkturlandung im Preis enthalten sind", schreibt ein Team von Strategen unter der Leitung von Kolanovic in einer Mitteilung an die Kunden der Bank. Das Team erwartet, dass die aktuelle Aktienmarktrally im ersten Quartal nachlässt und Anlegern sollten "potenzielle Gewinne in den nächsten Wochen nutzen, um das Engagement zu reduzieren“.

Kolanovic, einer der grössten Optimisten der Wall Street während des grössten Teils des Marktabverkaufs im vergangenen Jahr, hat seine Ansicht inzwischen umgekehrt und seine Aktienallokation Mitte Dezember aufgrund schwacher Wirtschaftsaussichten für 2023 reduziert. Kolanovic forderte die Anleger jedoch auf, den Kursrückgang bei chinesischen Aktien während ihres Abschwungs im Oktober zu kaufen. Der MSCI China Index hat seit Anfang Oktober um mehr als 25 Prozent zugelegt.

Zu früh für Entwarnung

"Der Markt verhält sich so, als ob wir uns in einer frühen Erholungsphase des Zyklus befänden, aber die Fed hat die Zinserhöhung noch nicht einmal abgeschlossen“, schreibt Kolanovic. "Während die Anzeichen für einen nachlassenden Inflationsdruck im Prinzip positiv sind, dürfte die anhaltende Anspannung auf den Arbeitsmärkten die Margen unter Druck setzen und die Zentralbanken dazu veranlassen, die Zinsen stärker zu straffen, als die Märkte dies erwarten.“

Kolanovic's Basisprognose ist, dass die USA Ende 2023 in eine Rezession fallen werden, sich die Inflation allmählich normalisiert und die US-Notenbank die Zinsen Anfang 2024 senkt. Die US-Grossbank bleibt bei Rohstoffaktien optimistisch und geht davon aus, dass die Anleiherenditen wahrscheinlich ihren Höchststand erreicht haben, was auf eine bessere Performance von defensiven Titeln und Wachstumsaktien hindeutet, schreibt Kolanovic.

Leider habe seine Strategie letztes Jahr nicht geklappt, das Kursziel für den S&P 500 von 4800 Punkten lag um 25 Prozent höher als der Kursstand Ende 2022. Das Jahresendziel von JP Morgan für das laufende Jahr beim S&P 500 liegt bei 4200 und ergibt ein Potenzial von 5,2 Prozent.

(Bloomberg)