Solche Warnungen kommen von einem der mächtigsten Wall-Street-Banker selten: Jamie Dimon, CEO von JPMorgan, sagte in einem Interview, dass die Märkte die wachsende Liste geopolitischer und fiskalischer Bedrohungen nicht vollständig berücksichtigten.
«Ich glaube, diese Risiken sind wahrscheinlich grösser, als andere Leute denken», sagte Dimon in einem Gespräch mit CNBC. Er verwies auf die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, auf die Spannungen zwischen den USA und China sowie auf die steigenden Militärausgaben in Zeiten zunehmender Staatsdefizite.
Die anhaltenden Haushaltsdefizite in den USA werden irgendwann zu einer Einsicht führen und möglicherweise die Zinssätze in die Höhe treiben. «Ich gehe davon aus, dass dies zu einem Problem werden wird», sagte Dimon im Interview, das am Montagabend veröffentlicht wurde.
Daher antwortete der JPMorgan-Chef auf die Frage, ob er langfristige US-Staatsanleihen kaufen würde: «Persönlich nein.» Selbst wenn die Inflation auf das 2-Prozent-Ziel der US-Notenbank zurückfalle, müsste die Rendite zehnjähriger Anleihen wohl bei 4 bis 4,5 Prozent liegen, sagte Dimon. Auf dem derzeitigen Niveau sieht er wenig Aufwärtspotenzial für die Kurse von US-Staatsanleihen.
Auch zu Aktien äusserte sich Dimon sehr zurückhaltend. Zwar würde er eine einzelne Aktie in Betracht ziehen, wenn es sich um eine «hervorragende Investition» handle, doch den breiten Markt würde er bei den aktuellen Bewertungen nicht kaufen.
Überdies warnte Dimon vor übertriebenen Erwartungen bezüglich Künstlicher Intelligenz. «Wird es sich so auszahlen, wie man es sich erhofft, und auch im erwarteten Zeitrahmen? Definitiv nicht», sagte Dimon. Er verwies diesbezüglich auf die Zeit der Evolution des Internets in den 1990er-Jahren. Grosse Pioniere wie Yahoo oder Netscape verschwanden, während spätere Marktführer wie Google und Facebook erst später auf den Plan traten.

