Mit Blick auf die harte Konkurrenz in der Finanzbranche hat JPMorgan-Chef Jamie Dimon Parallelen zur Zeit vor der Finanzkrise 2008 gezogen, jener Phase, in der ein Wettlauf um Kreditvergabe in einem Desaster endete.
Dieses Muster habe es schon einmal gegeben, sagte Dimon am Montag vor Investoren: «Leider haben wir das in ’05, ’06 und ’07 gesehen, fast dasselbe – die steigende Flut hat alle Boote gehoben, jeder hat viel Geld verdient.»
JPMorgan indessen sei nicht bereit, riskantere Kredite zu vergeben, nur um den Zinsüberschuss zu steigern. Stattdessen beobachte er bei einigen Marktteilnehmern bedenkliche Praktiken: «Ich sehe ein paar Leute, die dumme Dinge tun. Sie tun einfach dumme Dinge, um Nettozinsüberschuss zu erzeugen.»
Dimon hat die grösste US-Bank durch die Finanzkrise 2008 geführt und in dieser Zeit zwei grosse kollabierte Wettbewerber übernommen. Aus dieser Erfahrung heraus erwartet er, dass sich der Kreditzyklus irgendwann wieder eintrüben wird, obgleich er den Zeitpunkt nicht vorhersagen könne.
Seit Monaten warnt Dimon vor einer möglichen Verschlechterung der Kreditqualität. Als der Autokreditgeber Tricolor und der Autozulieferer First Brands im vergangenen Jahr implodierten, hatte der JPMorgan-Chef erklärt, das Auftauchen einer «Kakerlake» bedeute meist, dass noch mehr da sind.
In den vergangenen Wochen sahen sich verschiedenste Branchen Ängsten vor einem disruptiven Wandel durch Künstliche Intelligenz gegenüber.
In einem Kreditzyklus gebe es stets eine Überraschung, sagte Dimon. Oft sei unklar, welche Branche es treffe: «In einem Kreditzyklus gibt es immer eine Überraschung.» Welche Branche betroffen sei, habe sich häufig erst im Nachhinein gezeigt. «Dieses Mal könnte es wegen KI die Software sein.» Eine solche Entwicklung könnte JPMorgan dazu veranlassen, bestimmte Kreditengagements genauer zu prüfen. Einen gravierenden Einfluss auf die Kreditausfälle erwartet Dimon jedoch nicht.
Auch die Finanzbranche hat in den vergangenen Wochen unter Kursverlusten an der Börse gelitten, ausgelöst durch Sorgen rund um künstliche Intelligenz. Trotz dieser Turbulenzen sieht Dimon seine Bank im Wettbewerb um KI klar im Vorteil. «Am Ende des Tages werden wir in 100 Bereichen in 75 ein Gewinner und in 25 ein Verlierer sein.»
(Bloomberg/cash)
