Die grösste US-Bank JPMorgan Chase hat im vierten Quartal dank sprudelnder Einnahmen im Handelsgeschäft ‌die Erwartungen der ‌Analysten übertroffen. Der bereinigte Gewinn lag bei 5,23 Dollar je Aktie, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Von LSEG befragte Experten hatten lediglich mit 5,00 Dollar gerechnet. Der ausgewiesene Überschuss schrumpfte jedoch wegen einer milliardenschweren Sonderbelastung auf 13 ​Milliarden Dollar, nach 14 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr konnte das New Yorker ‌Geldhaus einen leicht gesunkenen Gewinn von rund 57 Milliarden ‌Dollar verbuchen. Die Aktie des Instituts legte im vorbörslichen Handel rund ein Prozent zu.

«Die US-Wirtschaft hat sich als widerstandsfähig erwiesen», sagte Konzernchef Jamie Dimon in einer Mitteilung. Der Arbeitsmarkt habe sich zwar abgeschwächt, die Lage scheine sich aber insgesamt nicht zu verschlechtern. Die Verbraucher gäben weiterhin Geld aus und die Unternehmen seien ⁠im Allgemeinen gesund. Die Ergebnisse grosser Banken wie JPMorgan gelten als wichtiger Indikator für die Verfassung der US-Wirtschaft.

Die Erträge im Handelsgeschäft kletterten im vierten Quartal um 17 Prozent. Dabei legten die Einnahmen im Handel mit festverzinslichen ​Wertpapieren um sieben Prozent zu, während die im Aktienhandel um 40 Prozent in ‌die Höhe schnellten. Hintergrund waren starke Schwankungen an den Finanzmärkten. Sorgen über ‍eine Blasenbildung bei KI-Aktien und die Unsicherheit über künftige Zinssenkungen durch die US-Notenbank Federal Reserve hatten Anleger zu Umschichtungen ihrer Portfolios bewogen.

Im ​Investmentbanking sanken die Gebühren im Schlussquartal zwar um fünf Prozent im Vergleich zum starken Vorjahr. Banker zeigen sich jedoch optimistisch für das laufende Jahr, angetrieben von Aktienmärkten auf Rekordniveau und der Erwartung von Zinssenkungen. JPMorgan baute ‌seine Stellung als weltweit führende Investmentbank aus und beriet bei mehreren milliardenschweren ⁠Fusionen und Übernahmen. Dazu zählten der Verkauf von Studio- und ‌Streaming-Vermögenswerten von Warner Bros Discovery an Netflix sowie die Übernahme von Kenvue durch Kimberly-Clark.

Die Sonderbelastung von 2,2 Milliarden Dollar im Quartal ging auf ‍die Übernahme des Apple-Kreditkartengeschäfts vom Rivalen Goldman Sachs zurück. Mit dem Deal stärkt JPMorgan seine Position in diesem Bereich. Er fällt jedoch in eine für die Branche kritische Zeit. Eine ​Initiative von US-Präsident Donald Trump, die Zinssätze in dem Bereich auf zehn Prozent zu ‍begrenzen, sorgt für Unsicherheit. Ein Bankenverband hatte gewarnt, dass ein solcher Schritt den Zugang zu Krediten für Verbraucher und kleine Unternehmen erschweren könnte. 

(Reuters)