Ein KI-Tool zur Erstellung von Steuerstrategien löste am Mittwoch Kursrückgänge bei den europäischen Vermögensverwaltungsaktien aus, nachdem am Dienstag bereits die amerikanischen Pendants unter die Räder kamen. 

Zu den in Europa am Mittwochmorgen unter Druck stehenden Unternehmen zählen St. James’s Place (-9,6 Prozent), Quilter (-5,8 Prozent) und Julius Bär (-2,5 Prozent). Die Innovation rückt die Vermögensverwaltungsbranche in den Fokus des KI-Wettbewerbs, ähnlich wie bereits vorher Softwareaktien und Private-Credit-Firmen oder Versicherungsmakleraktien.

An der Wall Street reagierten die Anleger bereits am Dienstag mit massiven Verkäufen. Raymond James Financial verlor 8,8 Prozent und verzeichnete damit den grössten Tagesverlust seit März 2020, während Charles Schwab um 7,4 Prozent und LPL Financial Holdings um 8,3 Prozent einbrachen - ihre schwächsten Handelstage seit April.

«Die Unsicherheit ist sehr hoch, und es ist äusserst schwierig, eine negative Entwicklung zu widerlegen», sagte UBS-Analyst Michael Brown in einem Interview. «Wir befinden uns in einer Phase, in der wir nicht genau wissen, was die nächsten zwölf oder 24 Monate für diese Unternehmen bringen werden.»

Das neue Tool, welches das Tech-Startup Altruist am Dienstag vorstellte, unterstützt Finanzberater bei der Personalisierung von Anlagestrategien für ihre Kunden und der Erstellung von Gehaltsabrechnungen, Kontoauszügen und anderen Dokumenten, so das Unternehmen in einer Mitteilung. Altruists Gründer und CEO Jason Wenk begann seine Karriere bei Morgan Stanley, und COO Mazi Bahadori arbeitete bei Pimco Investment Management. Die Führungsriege des Unternehmens verfügt daher über Erfahrung mit den Abläufen an der Wall Street und in der Investmentbranche.

«Der Kursverfall scheint mit den allgemeinen Bedenken hinsichtlich der Umwälzungen durch KI im Bereich der Finanzberatung und Vermögensverwaltung zusammenzuhängen», sagte Neil Sipes, Analyst bei Bloomberg Intelligence. Der Fokus der Anleger liege «wahrscheinlich auf der Sorge, dass Effizienzgewinne durch Wettbewerb zunichtegemacht werden, die Gebühren langfristig sinken und sich Marktanteile verschieben könnten.»

Führungskräfte führender Vermögensverwalter wie Blackstone, Apollo Global Management und Ares Management haben in den letzten Tagen versucht, ihre Aktieninvestoren und die wichtigsten Geldgeber ihrer Fonds davon zu überzeugen, dass die Befürchtungen, KI könnte grosse Teile ihres Geschäfts vernichten, übertrieben seien. Dennoch hat sich die Skepsis der Investoren gegenüber der Branche, die ^Milliarden in Software und andere Technologieunternehmen investiert hat, weiter verstärkt.

«Die erste Frage, die wir uns in den vergangenen fünf Jahren bei allen Anlagen in unserem Portfolio gestellt haben, lautete: Welche Chancen und Risiken birgt KI?», erklärte Michael Arougheti, CEO von Ares, am Dienstag auf einer Investorenkonferenz. «Es erscheint uns recht ungewöhnlich, dass die öffentlichen Märkte das Thema KI-bedingte Umwälzungen erst jetzt so stark in den Fokus gerückt haben.»

Die Kursreaktion spiegelt eine kurzfristig orientierte Positionierung wider und keine grundlegenden Veränderungen der Branche, schrieb dagegen Ben Bathurst, Analyst bei RBC Capital Markets in einem Kommentar. 

(Bloomberg/cash)