Die Konsumenten stiegen im Dezember wie bereits im Vormonat um 2,7 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten exakt mit dieser Jahresteuerungsrate gerechnet. Da zuletzt auch die Arbeitslosenquote zurückgegangen ist, erwarten viele Experten, dass die Notenbank Federal Reserve den Leitzins am Monatsende nicht antasten wird.
Die zunehmenden Spannungen zwischen Fed-Chef Jerome Powell und US-Präsident Donald Trump haben sogar dazu geführt, dass die meisten Ökonomen nicht mit einer Zinssenkung vor dem Ende von Powells Amtszeit im Mai rechnen. Die US-Regierung hat strafrechtliche Ermittlungen gegen Powell eingeleitet, die der Fed-Chef als «Vorwand» bezeichnete, die Leitzinsen zu beeinflussen. Notenbanken aus aller Welt solidarisierten sich in einer gemeinsamen Erklärung mit dem unter Druck gesetzten Notenbankchef.
Auch der österreichische Zentralbankchef Martin Kocher meldete sich zu Wort: «Es ist klar, dass die Unabhängigkeit der Zentralbanken ein Wert ist, den wir überall auf der Welt bewahren sollten.» Sie sei unerlässlich für den Schutz der Kaufkraft der Bürger und die wirtschaftliche Stabilität. Die Geschichte, auch Beispiele aus den USA, zeigten deutlich, was geschehen könne, wenn die Geldpolitik politischem Druck ausgesetzt sei: «Es ist klar, dass wir dann eine höhere Inflation erleben – dies ist bestens dokumentiert.»
Der US-Präsident steht offenbar kurz davor, einen Nachfolger für den regulär im Mai aus dem Amt ausscheidenden Fed-Chef zu benennen. Trump hat erklärt, dass Powells Nachfolger seinen Vorstellungen folgen müsse. Er wolle, dass der Neue die Zinsen senke, wenn es dem Markt gut gehe. Die Inflation werde sich selber regeln.
Die Fed hatte den Leitzins im Dezember auf die aktuelle Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt. Sie begründete dies damals mit Schwächesignalen vom Arbeitsmarkt und deutete zudem eine Pause ihres Lockerungskurses an. Für die US-Notenbanker gebe es keinen Grund, von ihrer vorsichtigen Haltung bezüglich Zinssenkungen abzurücken, sagte Helaba-Experte Ulrich Wortberg: «Mit forcierten Inflationssorgen ist kaum zu rechnen, zumal es ab Mitte Dezember zu einem saisonal eher ungewöhnlichen und weiteren Preisrutsch an den Tankstellen gekommen ist. Dies könnte sich in den Preiszahlen vom Januar niederschlagen», prophezeit der Ökonom.
Die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, lag im Dezember wie bereits im Vormonat bei 2,6 Prozent. Hier hatten Experten einen Wert von 2,7 Prozent auf dem Schirm. Zum Vormonat ergab sich sogar nur ein Plus von 0,2 Prozent, während Ökonomen einen Wert von 0,3 Prozent erwartet hatten. NordLB-Analyst Tobias Basse spricht von einer «eindeutig positiven Überraschung.» Die Notenbank achtet besonders auf die Kernrate, da diese zugrundeliegende Inflationstrends gut abbildet.
Zwischenwahlen werfen Schaffen voraus
«Auf Basis der vorliegenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten besteht für die Fed kein Handlungsdruck», so die Einschätzung von Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. US-Präsident Trump dürfte deshalb aus Sicht des Experten weiterhin scharfe Attacken gegen den Fed-Chef fahren. Die von Trump beschlossenen weitreichenden Importzölle haben die Warenpreise in die Höhe getrieben und stellen für viele amerikanische Haushalte eine finanzielle Belastung dar.
Die erhöhte Inflation hat Trumps Zustimmungswerte sinken lassen. Das Thema Preisauftrieb dürfte in diesem Jahr ein brisantes politisches Thema sein, da Trumps Republikaner im November bei den Zwischenwahlen um den Erhalt der Mehrheit im US-Kongress kämpfen.

