«Tiefstände gibt's am Rhein, Höchststände am Rentenmarkt», schreiben die Experten der Helaba. Die Verzinsungen zehnjähriger Staatsanleihen in Europa und in den USA weiteten in der vergangenen Woche ihre zweistelligen Mehrjahreshochs aus. Grund dafür waren vor allem Zinsängste der Anleger.
An den Kapitalmärkten herrschten Inflationssorgen, und diese führen zu Spekulationen über die künftige Geldpolitik der Notenbanken, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. «Das sind gegenwärtig die bestimmenden Kräfte am deutschen Aktienmarkt.»
Trotz eines Rücksetzers von rund vier Prozent auf Wochensicht verharrt der Preis für ein Fass Nordsee-Rohöl der Sorte Brent nahe der 100-Dollar-Marke. Wie im Wochenverlauf veröffentlichte Daten zeigten, trieben die hohen Energiepreise die Inflation im Euroraum im September überraschend stark nach oben.
Am Freitag notierte der zum Beispiel der deutsche Leitindex Dax mit 25'181 Punkten rund ein Prozent unter dem Vorwochenschluss. «Unterm Strich bleibt für das laufende Jahr nur noch ein kleines Plus. Fast alle zwischenzeitlichen Gewinne sind weg», sagte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets.
Der Swiss Market Index hat in der zu Ende gehenden Woche 1,8 Prozent verloren.
Anleger zwischen KI-Hoffnungen und KI-Sorgen hin- und hergerissen
Für die hohen Energiepreise sorgen nach wie vor das Hin und Her im Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die damit verbundenen Spannungen um die für Öltransporte wichtige Strasse von Hormus. «Ein wie auch immer geartetes Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen scheint derzeit nicht in Sicht», konstatierten die Experten der LBBW.
Der Iran unterbreitete zuletzt einen Vorschlag zur Wiedereröffnung der von ihm weitgehend blockierten Strasse von Hormus. Diesem erteilte US-Präsident Trump angesichts der darin enthaltenen Forderungen jedoch eine Absage. Es sollen zwar weitere Gespräche laufen, der Iran kündigte jedoch an, nicht von seinen Forderungen abzurücken. Sollte es zu keiner Lösung kommen, drohte Trump mit erneuten Angriffen. «Kein Wunder, dass die Bondrenditen immer weiter stiegen», so die LBBW.
Auf Unternehmensseite bleiben Anleger zwischen KI-Hoffnungen und KI-Sorgen hin- und hergerissen. «Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Märkte dann am gefährlichsten sind, wenn die Zukunft grenzenlos vielversprechend erscheint», sagte Mike Fox, Aktienexperte beim Vermögensverwalter Royal London. «Die grössten Chancen bieten sie dagegen häufig dann, wenn die Zukunft hoffnungslos düster wirkt.»
Der europäische Technologie-Branchenindex legte in der alten Woche um rund fünf Prozent zu. In den USA verlor der Index der Technologiebörse Nasdaq in derselben Zeit rund ein Prozent.
Die neue Konjunkturdatenwoche eröffnet am Montag die Veröffentlichung des Barometers der Beratungsfirma Sentix zu den Erwartungen von Börsenprofis für die Wirtschaft im Euroraum im Oktober. Ebenfalls zum Wochenstart warten Anleger auf die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor in der Euro-Zone und in den USA im September sowie die Erzeugerpreise für den Euroraum im August.
«Kommt die deutsche Industrie in Schwung? Die Stimmungsindikatoren haben hier zuletzt Hoffnung gemacht», sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen mit Blick auf den jüngsten Anstieg des Einkaufsmanagerindex für die Branche. «Tatsächlich legen die Auftragseingänge seit etwa einem Jahr wieder zu, was aber weitgehend auf mehr Grossaufträge zurückzuführen ist, von denen die meisten wohl vom Staat kommen.»
Rechne man die Grossaufträge heraus, bewegen sich die Auftragseingänge im Wesentlichen seitwärts. Gleiches gelte für die Produktion. Nach den Industriezahlen am Mittwoch stehen am Donnerstag die deutschen Aussenhandelsdaten für August auf dem Kalender.
(Reuters/cash)
