Beide Seiten machten sich gegenseitig für das vorläufige Scheitern der Gespräche nach 21 Stunden verantwortlich. Der Vermittler Pakistan rief beide Seiten auf, die erst vor wenigen Tagen vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe einzuhalten. Dies sei unbedingt notwendig, erklärte Aussenminister Ishaq Dar.
«Die schlechte Nachricht ist, dass wir keine Einigung erzielt haben», sagte US-Vizepräsident JD Vance, der die US-Delegation anführte, kurz vor seiner Abreise aus Islamabad. «Ich denke, das sind für den Iran weitaus schlechtere Nachrichten als für die Vereinigten Staaten von Amerika.» Vance sagte, man habe die roten Linien der USA sehr deutlich gemacht. Der Iran habe sich jedoch entschieden, diese Bedingungen nicht zu akzeptieren. Dazu gehöre die Verpflichtung, keine Atomwaffen zu bauen.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete, «überzogene» Forderungen der USA hätten eine Einigung verhindert. Als Hauptstreitpunkte nannten iranische Medien die Strasse von Hormus und das Atomprogramm des Landes. Ein Sprecher des Aussenministeriums in Teheran erklärte, die Gespräche seien in einer Atmosphäre des Misstrauens geführt worden. Es sei daher nicht zu erwarten gewesen, dass beide Seiten in nur einer Gesprächsrunde zu einer Einigung hätten kommen können. Es habe eine Einigung in einigen Punkten gegeben, jedoch seien zwei wichtige Fragen offengeblieben. Die Kontakte und Beratungen zwischen dem Iran und Pakistan sowie «unseren anderen Freunden» würden fortgesetzt, sagte der Sprecher des Aussenministeriums.
Zur US-Delegation gehörten neben Vizepräsident Vance auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Die iranische Delegation wurde geleitet von Parlamentspräsident Mohammed Baker Kalibaf und Aussenminister Abbas Araghtschi.
Millionen wurden im Konflikt vertrieben und Tausende getötet
Der Krieg, der am 28. Februar mit massiven Angriffen der USA und Israels begonnen hatte, hat sich im Nahen Osten ausgeweitet. Er kostete Tausende Menschen das Leben, Millionen wurden vertrieben. Der Konflikt wirkt sich durch die weitgehende Sperrung der Strasse von Hormus, durch die ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen gehen, erheblich auf die Ölpreise und damit die Weltwirtschaft aus.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Strasse von Hormus, eine Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Der Iran hatte sie zu Kriegsbeginn blockiert, allerdings mehrfach einzelne Tanker unter anderem von Thailand, Pakistan und Indien durchgelassen. Die Führung in Teheran fordert die Kontrolle über die Wasserstrasse vor der iranischen Küste und das Recht, Transitgebühren zu erheben.
Die US-Regierung verlangt hingegen die freie Durchfahrt für die internationale Schifffahrt. Zudem fordern die USA eine Einschränkung des iranischen Urananreicherungsprogramms, um sicherzustellen, dass das Land keine Atombombe bauen kann. Teheran bestreitet seit langem, den Bau einer solchen Waffe anzustreben.
Weitere Forderungen Teherans umfassen die Freigabe von im Ausland eingefrorenen Vermögen, die Zahlung von Kriegsreparationen und eine Waffenruhe auch im Libanon. Dort bombardiert das israelische Militär seit Anfang März nach eigenen Angaben Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz.
Es waren die ranghöchsten Gespräche zwischen den USA und dem Iran seit der Islamischen Revolution von 1979 und die ersten offiziellen direkten Verhandlungen zwischen beiden Seiten seit 2015. Damals war das internationale Atomabkommen geschlossen worden, das die Entwicklung einer Atombombe durch den Iran verhindern sollte. Die USA stiegen jedoch 2018 während Trumps erster Amtszeit aus dem Abkommen aus, und der Iran sah sich nicht mehr an seine Auflagen gebunden.
Ebenfalls 2018 untersagte der damalige Oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, weitere direkte Gespräche zwischen seinem Land und den USA. Er wurde zu Beginn des Krieges bei einem Angriff auf Teheran getötet.
(Reuters)

