Die Unterstützung für die Kernenergie in der Schweiz hat laut einer neuen Umfrage des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) deutlich zugenommen. Angesichts wachsender Sorgen um die langfristige Stromversorgung spricht sich die Hälfte der Befragten eher für den Bau eines neuen Kernkraftwerks als für eine Vielzahl zusätzlicher Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien aus.

Die am Sonntag veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts GFS Bern zeigt, dass 58 Prozent der Bevölkerung über die langfristige Versorgungssicherheit besorgt sind. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig bezweifeln 64 Prozent, dass erneuerbare Energien allein ausreichen, um den künftigen Strombedarf der Schweiz zu decken.

Besonders hoch bleibt die Unterstützung für bestehende Atomkraftwerke: 79 Prozent befürworten deren Weiterbetrieb, solange die Anlagen als sicher gelten. Zudem halten 59 Prozent den Bau von Kernkraftwerken der neuen Generation für sinnvoll. Erstmals seit Beginn der Umfragereihe im Jahr 2022 bevorzugt die Hälfte der Befragten ein neues Kernkraftwerk gegenüber zahlreichen zusätzlichen Anlagen für erneuerbare Energien.

Die Umfrage zeigt zugleich einen wachsenden Zweifel an der Leistungsfähigkeit von Sonne und Wind. 55 Prozent sind der Ansicht, dass diese die Stromversorgung nicht ausreichend sicherstellen können und es deshalb Kernkraftwerke brauche. Falls der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ausreiche, würden sich 58 Prozent für Kernkraftwerke als Ergänzung aussprechen, aber nur 26 Prozent für Gaskraftwerke.

Für Einschränkung des Beschwerderechts

Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, den Ausbau der Stromproduktion zu beschleunigen. So unterstützen 68 Prozent Einschränkungen bei Beschwerden gegen Energieprojekte, damit diese schneller umgesetzt werden können. Ebenso sind 58 Prozent bereit, zur Stärkung der inländischen Stromproduktion Abstriche beim Umweltschutz in Kauf zu nehmen.

Von der gestiegenen Technologieoffenheit profitiert auch die sogenannte Blackout-Initiative. Würde heute darüber abgestimmt, würden laut Umfrage 55 Prozent der Stimmberechtigten zustimmen, nach 46 Prozent im Vorjahr. Der Bundesrat lehnt die Initiative zwar ab, will mit einem Gegenvorschlag aber das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben.

Generell gewichtet die Bevölkerung die Versorgungssicherheit inzwischen stärker als Klimaschutz oder Strompreise. Für 45 Prozent der Befragten hat eine sichere Stromversorgung oberste Priorität. Zudem unterstützen 66 Prozent weiterhin ein Stromabkommen mit der Europäischen Union.

Für die Studie befragte GFS Bern im Auftrag des VSE zwischen dem 23. März und dem 15. April insgesamt 1015 Stimmberechtigte. Der Stichprobenfehler beträgt plus/minus 3,1 Prozentpunkte.

(AWP)