Das Abkommen schafft die Grundlage für einen freieren Handel mit Waren und Dienstleistungen in einem Markt mit etwa zwei Milliarden Menschen. Nachfolgend die wichtigsten Punkte im Überblick:

VORTEILE FÜR EU-EXPORTEURE

- Zölle auf ‌mehr als ‌90 Prozent der EU-Exporte nach Indien werden abgeschafft oder gesenkt.

- Indien senkt seine Zölle für 30 Prozent der mit der EU gehandelten Waren auf null.

- EU-Unternehmen sparen dadurch jährlich bis zu vier Milliarden Euro an Zöllen.

- Besserer Zugang für EU-Unternehmen zu Finanz- und Seeverkehrsdienstleistungen.

- Vereinfachte Zollverfahren und ein stärkerer Schutz des geistigen Eigentums.

- Die indischen ​Autozölle sinken über fünf Jahre von 110 auf zehn Prozent. Dies gilt im Rahmen einer jährlichen ‌Quote von 250.000 Fahrzeugen und dürfte Volkswagen, BMW , Mercedes-Benz und Renault zugutekommen.

- Die ‌meisten Zölle auf Industriewaren werden vollständig abgeschafft. Dies betrifft unter anderem Maschinen, elektrische Ausrüstung, Chemikalien und Arzneimittel.

VORTEILE FÜR INDISCHE EXPORTEURE

- Bei Inkrafttreten des Abkommens schafft die EU die Zölle auf 90 Prozent der indischen Waren ab.

- Innerhalb von sieben Jahren wird die Zollfreiheit auf 93 Prozent der indischen Waren ausgeweitet.

- Für rund sechs Prozent der indischen Waren gelten teilweise Zollsenkungen und Quoten.

- Für 99,5 Prozent des bilateralen Handels gibt es eine Form von Zollvergünstigung.

- Indien ⁠nimmt Autos und landwirtschaftliche Produkte von der vollständigen Zollbefreiung aus.

- Der durchschnittliche EU-Zollsatz sinkt von 3,8 auf 0,1 Prozent.

- Die Zölle auf wichtige indische Exporte in die EU werden auf null gesenkt, darunter Meeresfrüchte, Chemikalien, Textilien sowie Edelsteine und Schmuck.

AUTOS: QUOTEN UND AUSNAHMEN

- Fahrzeuge aus der EU mit einem Preis ​von unter 15.000 Euro sind von dem Abkommen ausgenommen.

- Fahrzeuge oberhalb dieser Preisschwelle werden in drei Segmente mit jeweils ‌eigenen Quoten und Zöllen unterteilt. Die Zölle für die meisten Autos werden bei Inkrafttreten auf ‍30 bis 35 Prozent gesenkt und dann über fünf Jahre schrittweise auf zehn Prozent reduziert.

- Zollsenkungen für Elektrofahrzeuge beginnen ab dem fünften Jahr.

- Ausserhalb der Quoten gibt es keine Zollsenkungen. Auch ​für zerlegte Bausätze (CKD-Kits) sind keine Zollermässigungen vorgesehen.

STAHL UND CO2-REGELN

- Indien bemüht sich um einen besseren Zugang zu den zollfreien EU-Importquoten für Stahl. Eine Entscheidung darüber wird bis zum 30. Juni erwartet.

- Es gibt keine spezifische Ausnahme für Indien von den CO2-Zöllen der EU. Indien kann nach eigenen Angaben jedoch Verhandlungen aufnehmen, falls die ‌EU einem anderen Land Flexibilität gewährt.

- Eine technische Arbeitsgruppe soll indischen Firmen helfen, ihre CO2-Bilanzen ⁠zu überprüfen.

LANDWIRTSCHAFT: ZUGANG MIT SCHUTZKLAUSELN

- Indische Zölle auf Agrar- und Lebensmittelexporte aus der EU, die ‌im Durchschnitt über 36 Prozent liegen, werden gesenkt oder abgeschafft.

- Deutliche Zollsenkungen gibt es bei EU-Weinen, Spirituosen, Bier, Olivenöl und verarbeiteten Lebensmitteln. Die Zölle auf Premiumweine sinken schrittweise von 150 Prozent ‍auf bis zu 20 Prozent.

- Rindfleisch, Reis, Zucker, Milchprodukte und Geflügel sind von dem Abkommen ausgenommen. Die EU-Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit bleiben unverändert.

DIENSTLEISTUNGEN, NACHHALTIGKEIT, DIGITALER HANDEL

- Die EU öffnet 144 Dienstleistungsbereiche für Indien, Indien im Gegenzug 102 für die EU.

- Es werden verbindliche Regeln ​zu Arbeitsrechten, Umweltschutz und zur Stärkung der Rolle der Frau festgelegt. Regeln für den digitalen Handel sollen die ‍Wirtschaft unterstützen und gleichzeitig den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit gewährleisten.

REGELN UND NÄCHSTE SCHRITTE

- Ursprungsregeln sollen verhindern, dass Waren aus Drittländern über Indien zollbegünstigt in die EU gelangen. Streitigkeiten werden von unabhängigen Gremien mit verbindlichen Urteilen geklärt.

- Die Vertragstexte sollen nun veröffentlicht werden. Anschliessend folgen eine rechtliche Prüfung, die Übersetzung und die Ratifizierung. Dieser Prozess wird voraussichtlich ein Jahr dauern.

(Reuters)