Khan-Affaire - Für Oswald Grübel liegt der Rücktritt von CS-Chef Thiam nahe

Für Ex-Credit-Suisse-CEO Oswald Grübel ist klar: Wenn die Affaire um die Beschattung des Bankers Iqbal Khan auf die CS zurückfällt, muss der heutige Konzernchef Tidjane Thiam seinen Posten verlassen.
25.09.2019 17:00
Von Ralph Pöhner
Oswald Grübel leitete die 2004 bis 2007 die Credit Suisse, dann von 2009 bis 2011 die UBS.
Oswald Grübel leitete die 2004 bis 2007 die Credit Suisse, dann von 2009 bis 2011 die UBS.
Bild: Nik Hunger

Der "Grand Old Man" des Schweizer Grossbanking meldet sich im Khan-Skandal zu Wort: "Wenn die Zeitungsberichte stimmen, dann sollte der Verwaltungsrat der Credit Suisse sofort handeln und den CEO ersetzen", sagt Oswald Grübel in einem Interview mit der "Schweizer Illustrierten".

"Spätestens Anfang dieser Woche hätten die Verantwortlichen wissen sollen: Wer hat die Überwachung angeordnet? Weshalb? War sie rechtmässig?", so der Mann, der die Credit Suisse von 2004 bis 2007 sowie die UBS von 2009 bis 2011 geleitet hatte.

«Einer Schweizer Grossbank unwürdig»

Es reiche nicht, in einem dürren Communiqué eine Untersuchung anzukündigen: "Der CEO der Credit Suisse hätte stattdessen am Montag hinstehen und ein inhaltliches Statement abgeben müssen."

CS-Untersuchung zu Khan entscheidet über Thiam und Co

Und sollte die Wurzel des Skandals sogar in einem privaten Streit zwischen dem CS-Konzernchef und dem ehemaligen Wealth-Management-Chef Iqbal Khan angelegt sein, dann sei Thiam zu entlassen. Grübel wörtlich: "Wenn die Zeitungsberichte stimmen, dann sollte der Verwaltungsrat der CS sofort handeln und den CEO ersetzen, denn ein solches Verhalten ist einer Schweizer Grossbank unwürdig."
 
Je länger die Credit Suisse den Fall nicht vollständig aufkläre, desto mehr leide ihre Reputation, so Grübel. Eine gute Krisenkommunikation sei essenziell: "Das erwartet die Öffentlichkeit, weil die Angelegenheit längst zu einem grossen Medienfall geworden ist."

Der CEO trägt letztlich immer die Verantwortung

Grübel selber war im September 2011 als Konzernchef der UBS zurückgetreten, nachdem aufgeflogen war, dass ein hauseigener Trader in London durch nicht-autorisierte Deals ein Milliardenloch verursacht hatte. Grübel begründete dies unter anderem damit, dass er als CEO letztlich die Verantwortung für alles trage, was in der Bank geschehe.

Der Ex-UBS- und Ex-CS-CEO spielt im "Schweizer-Illustrierte"-Interview an auf Artikel, die am Mittwoch im "Tages-Anzeiger" (Paywall) sowie auf "Inside Paradeplatz" erschienen: Danach sei es im Januar in Thiams Villa an der Zürcher "Goldküste" zu einem wüsten Streit gekommen, bei dem der CEO und Iqbal Khan, damals internationaler Vermögensverwaltungs-Chef der CS, aufeinander losgegangen seien.

Letzte Woche wurde dann bekannt, dass Iqbal Khan – der demnächst zur UBS wechselt – von Detektiven beschattet worden sei, allem Anschein nach im Auftrag der Credit Suisse. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat nun ein Verfahren eröffnet.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf handelszeitung.ch unter dem Titel «Khan-Skandal: Oswald Grübel fordert Abgang von Tidjane Thiam»

 
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