Angesichts der explodierenden Kosten zur Finanzierung ‌von ⁠Künstlicher Intelligenz (KI) und eines verlangsamten Wachstums werde nun eine Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar diskutiert, sagten ⁠mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Zuvor hatten Anleger mit etwa zwei Billionen Dollar gerechnet.

Auf einem Investorentag am Mittwoch ‌in San Francisco teilte das Management den potenziellen Käufern der Aktien ‌mit, dass der Umsatz im dritten Quartal im ​Vergleich zum Vorquartal um 45 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar gestiegen sei. Zudem habe Anthropic auf bereinigter Basis die Gewinnzone erreicht. Diese Zahlen hätten zwar einige Bedenken hinsichtlich der enormen Entwicklungskosten zerstreut, hiess es in bei den Insidern. Einige Investoren zeigten sich aber enttäuscht über das nachlassende Wachstum. Im zweiten ‌Quartal hatte sich der Umsatz im Vergleich zum Jahresauftakt noch auf 11,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.

Anthropic reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Zurückhaltung bei dem Börsengang von Anthropic könnte den gesamten KI-Markt ​belasten. Dessen kurzfristige Aussichten hängen nach Ansicht von Investoren stark vom Erfolg ​dieser Aktienplatzierung ab, auf die im kommenden Jahr der ​mögliche Börsengang von OpenAI folgen soll. Die Sorgen der Anleger fallen in eine Zeit, in der absackende Aktienkurse im Technologiesektor die ‌weltweiten Finanzmärkte belasten. Davon sind auch KI-Infrastrukturunternehmen, Chiphersteller und spezialisierte Cloud-Anbieter betroffen.

So brachen am Donnerstag die Aktien und Anleihen des von Nvidia unterstützten Unternehmens CoreWeave ein. Dies spiegelt die wachsende Sorge wider, dass der KI-Ausbau zunehmend ​mit geliehenem ​Geld finanziert wird. Zudem hatte der Markt für ⁠Börsengänge zuletzt Rückschläge erlitten, nachdem der Rechenzentrumsbetreiber SB Energy und ​das Nukleartechnologie-Unternehmen Holtec Nuclear ihre ⁠Pläne auf Eis gelegt hatten.

Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Führungskräften gegründet, darunter Konzernchef Dario Amodei und ‌seine Schwester Daniela, die nun als Präsidentin fungiert. Mit seiner «Claude»-Modellfamilie hat sich das Unternehmen zu einem der führenden Entwickler von generativer KI entwickelt.

Das rasante Wachstum wird von ‌der Alphabet-Tochter Google und Amazon gestützt, die gleichzeitig Investoren, Lieferanten von Rechenleistung, Vertriebspartner ​und Rivalen Ksind. Im vergangenen Jahr verzwölffachte sich der Umsatz von Anthropic einem Reuters-Bericht zufolge auf fast 4,6 Milliarden Dollar, während das Unternehmen operativ mehr als acht Milliarden Dollar verlor.

(Reuters)