Nach Auszählung von fast 100 Prozent der Stimmen kam er auf 49,66 Prozent, teilte die nationale Wahlbehörde am Sonntag mit. Sein linker Rivale Ivan Cepeda lag mit 48,70 Prozent rund 250'000 Stimmen zurück. Cepeda kündigte an, das von Richtern geprüfte Endergebnis abzuwarten, da sein Wahlkampfteam die Resultate aus rund 33'000 der insgesamt 122.000 Wahlurnen anfechte. Der Wahlausgang fügt sich in einen regionalen Rechtsruck ein: Auch in Chile, Argentinien, Costa Rica, Bolivien und Ecuador wurden zuletzt rechte Präsidenten gewählt, in Peru steht die Konservative Keiko Fujimori vor einem Sieg.
De La Espriella feierte seinen Sieg in der Küstenstadt Barranquilla. «Ich werde für alle Kolumbianer regieren, für diejenigen, die für mich gestimmt haben, und für diejenigen, die den anderen Kandidaten gewählt haben», sagte er vor Anhängern. Zuvor hatte er einen Glückwunsch-Anruf von US-Präsident Donald Trump erhalten, der ihn im Wahlkampf unterstützt hatte. Auch wichtige Wirtschaftsverbände des Landes gratulierten dem Wahlsieger. Trump hat den Einfluss der USA in der Region zuletzt ausgebaut, unter anderem durch die Militärallianz «Shield of the Americas» mit rechten Staatschefs.
Der 47-jährige Anwalt und Geschäftsmann De La Espriella präsentiert sich als politischer Aussenseiter, der noch nie ein politisches Amt bekleidete. Er hat im Wahlkampf ein hartes Vorgehen gegen die Kriminalität und ein Ende der Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen angekündigt. Wirtschaftspolitisch will er den kolumbianischen Öl- und Gassektor fördern, Steuern senken und den Staatsapparat um bis zu 40 Prozent verkleinern. Er kündigte jedoch an, die vom amtierenden linken Präsidenten Gustavo Petro eingeführte Erhöhung des Mindestlohns um 23 Prozent sowie andere beliebte Sozialmassnahmen beizubehalten.
Der 63-jährige Senator Cepeda hatte versprochen, die Politik Petros fortzusetzen und weitreichende Sozialreformen umzusetzen. Dazu gehörten staatliche Rentenzahlungen für Arme, von Gewerkschaften unterstützte Arbeitsmarktreformen sowie ein Stopp neuer Ölprojekte.
Von den gut 41 Millionen Berechtigten gingen mehr als 26,3 Millionen zur Wahl. Gut 427'000 Wähler gaben am Sonntag leere Stimmzettel ab, was in der Regel als Protestwahl gewertet wird. In der ersten Wahlrunde Anfang Juni hatte keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht.
(Reuters)

