Kommunikationsdienstleistungen - Twitter und Co. bekommen eigenen US-Branchenindex

An der Wall Street stehen im September weitreichende Änderungen an. Der Index-Anbieter S&P klassifiziert Firmen wie Facebook und Netflix künftig in anderen Sektoren.
24.08.2018 19:05
Ab 24. September an der US-Börse keine Tech-Aktie mehr: Twitter.
Ab 24. September an der US-Börse keine Tech-Aktie mehr: Twitter.
Bild: Bloomberg

Experten zufolge bietet dies kleineren Technologiefirmen die Chance, aus dem Schatten von Internetgiganten wie Amazon oder der Google-Mutter Alphabet herauszutreten. Allerdings könnte die Neuordnung auch Kursschwankungen auslösen.

Obwohl Anleger Firmen wie Alphabet als Vorreiter der Digitalisierung sehen, sind sie bei S&P künftig nicht mehr im Unterindex für Technologiefirmen sondern in einem Sektor mit dem Namen "Kommunikationsdienstleistungen" notiert. Neben Alphabet gehören dem Index, der ab dem 24. September gelten soll, Firmen wie die Online-Videothek Netflix, der Kurznachrichtendienst Twitter, der Bezahlservice Paypal, das Online-Netzwerk Facebook und der Videospielehersteller Electronic Arts an.

Heftige Kursausschläge erwartet

Die technische Umsortierung dürfte an den Börsen nicht ohne Auswirkungen bleiben: Weil hunderte Portfoliomanager in den Tagen nach der Umstellung ihre Fonds und ETF neu strukturieren und bestimmte Aktien kaufen und verkaufen müssen, drohen heftige Kursausschläge, prognostiziert Andrew Bodner, Geschäftführer des Brokers Double Diamond. "Das ist ein zeitlich begrenztes Szenario und könnte für viele Anleger gute Kaufgelegenheiten bieten."

Nach Daten des Fondsanalysehauses Lipper sind über börsengehandelte Fonds (ETF) rund 89 Milliarden Dollar im Technologiesektor angelegt. Ein Grossteil davon muss nach Einschätzung von Fachleuten aktualisiert werden. Grossanleger wie der Vermögensverwalter Vanguard haben nach eigenen Angaben bereits damit begonnen, ihre ETF anzupassen. State Street Global will unterdessen einen ganz neuen Fonds auflegen.

Chancen für die zweite Liga

Profitieren könnten von der Umstellung auch kleinere Firmen. "Investoren erhalten ohne solche Riesenkonzerne, die eigentlich Medienunternehmen sind, einen ganz anderen Blickwinkel auf den Technologiesektor", erläutert Mike O'Rourke, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Jones Trading. Ausserdem müssten Portfoliomanager künftig nicht mehr entscheiden, ob sie aus dem Tech-Sektor in Amazon oder Apple investieren, sondern könnten Titel von beiden Unternehmen kaufen. Fonds haben in der Regel Quoten für Aktien aus den unterschiedlichen Branchen. Weil Schwergewichte wie Amazon und andere aus dem S&P-Technologieindex herausgenommen werden, steigt die Bedeutung von Werten wie Microsoft, Intel, Cisco Systems oder Oracle.

Der erweiterte Sektorindex Kommunikationsdienstleistungen wird künftig für ein Zehntel des S&P 500 stehen. Bislang war der Index, der lediglich die Telekombranche abbildete, für weniger als 2 Prozent des Hauptindex verantwortlich.

(Reuters)