Konkurrent bringt Sonova ins Schwitzen

Heute Dienstag stellte Sonova ihre neuesten Hörgeräte vor. Doch offenbar hatte der Markt mehr erwartet – die Sonova-Aktie kommt gehörig unter Druck.
14.10.2014 15:54
Von Frédéric Papp, Stäfa
Lukas Braunschweiler, CEO Sonova.
Lukas Braunschweiler, CEO Sonova.
Bild: cash

Sonova zeigte heute am Investoren- und Analystentag die neueste Generation von Hörgeräten. Die Qualität überzeugt einmal mehr. Der jüngste Wurf, das Hörgerät Phonak Audéo V, passt sich automatisch der Umgebung des Trägers an und verbraucht zudem deutlich weniger Energie. "Dies ist einzigartig im Markt", sagt Lukas Braunschweiler, CEO von Sonova.

Der Markt reagierte dennoch verschnupft auf die Innovationen von Sonova. Die Aktie sackte am Dienstag gegen 4 Prozent ab. Mit einer Jahresperformance von rund 15 Prozent zählt Sonova aber immer noch zu den Besten im Swiss Performance Index (SPI). Die jüngste Korrektur ist sicherlich auch auf das angespannte Marktsentiment zurückzuführen, aber nicht nur. Der Markt, sprich die Analystengemeinde, hatte schlicht mehr erwartet, und zwar vor allem im Bereich "Connectivity".

Nur fürs iPhone gemacht

Der Stäfner Medtechkonzern kündigte am Dienstag zwei Produkte namens "EasyCall" und "ComPilot Air" an, zwei periphäre Geräte, womit man zum Beispiel Radio- oder TV-Beiträge auf das Hörgerät streamen kann. Dabei darf das Handy maximal 25 Zentimeter vom Hörgerät entfernt sein. Auch hier überzeugt die Hörqualität. Doch wirken die Lösung, mit den zusätzlichen Periphäriegeräten etwas verstaubt.

Entsprechend kamen am Analysten- und Investorentag viele Fragen auf, weshalb Sonova nicht den Weg des Konkurrenten GN Store Nord einschlage.

Der dänische Rivale erklärte das Thema Konnektivität zum Nonplusultra und setzt damit Sonova unter Druck. Zusammen mit Apple haben die Dänen ein Hörgerät namens Resound Linx entwickelt, das sich direkt mit dem iPhone verbinden lässt. Neben der Funktion als normales Hörgerät kann Resound Linx in Kombination mit dem iPhone als Headset für Telefonate oder für das Streaming von Musik verwendet werden. Allerdings handelt es sich hierbei explizit um ein Produkt "Made for iPhones", mit anderen Mobilgeräten ist es nicht kompatibel.

Nicht so bei Sonova. Das "EasyCall" ist mit allen bluetoothfähigen Smartphones kompatibel, aber es braucht eben dieses Extragerät. Sonova beteuert zwar, dass das Thema "Connectivity" immer wichtiger werde. Doch eine eigens erstellte Studie, die am Dienstag präsentiert wurde, zeigte, dass die Patienten die Hörqualität höher gewichten.

Dazu ist zu sagen, der Grossteil der heutigen Hörgeräteträger ist über 70 Jahre alt. Das Thema Konnektivität spielt somit eher eine kleine Rolle. Für künftige Generationen ist es wiederum anders.

Neue Produktionsplattform

Sonova hat mit der neuen Produktonsplattform "Venture" eine Basis geschaffen, auf der sich alle Hörhilfen der Marke Phonak produzieren lassen. Diese Produktionsplattform ermöglicht laut Braunschweiler eine kostengünstigere Produktion und beschleunigt den Innovationszyklus.

Marktbeobachter warten nun gespannt auf die Neuheiten der Konkurrenz. Vom 15. bis 17. Oktober findet in Hannover der Internationale Hörgeräteakustiker-Kongress EUHA statt, wo Sonova und ihre Mitstreiter ihre Neuheiten an einem breiten Fachpublikum präsentieren werden. Zu den Hauptkonkurrenten von Sonova zählen GN Store Nord, William Demant, Amplifon oder Cochlear.