Anfang Woche teilte der US-Konzern Keurig Dr Pepper (KDP) mit, er wolle das niederländische Unternehmen JDE Peets übernehmen und sich in zwei Konzerne aufspalten: Einer soll sich auf Erfrischungsgetränke konzentrieren, der andere auf das Kaffee-Geschäft.
KDP-CEO Tim Cofer sprach von einem Wendepunkt in der Getränkeindustrie, man werde «zwei erfolgreiche Unternehmen schaffen, darunter einen neuen globalen Kaffee-Champion». Er soll rund 16 Milliarden Dollar Umsatz generieren. Das Kaffee-Geschäft ist aber auch ein Standbein von Nestlé. Der Weltkonzern aus Vevey erzielt damit umgerechnet rund 26 Milliarden Dollar (21 Milliarden Franken) Umsatz, die nahezu einen Viertel aller Verkäufe ausmachen.
Wird nun der neu entstehende Kaffeeriese dem Schweizer Lebensmittelkonzern zur ernsthaften Konkurrenz? Der Keurig-JDE-Deal werde den Wettbewerb in den USA verschärfen, sagt Jean-Philippe Bertschy, Analyst der Bank Vontobel. Keurig sei Marktführer bei Kaffeepads, einschliesslich der Nespresso-kompatiblen Kapseln von Lavazza. Und JDE besitze mit L'Or die erfolgreichste Nespresso-kompatible Kapsel. Allerdings sei Nespresso mit seiner Vertuo-Linie, für die es keine Kopien gebe, in den USA stark vertreten.
Übernahme als gute Nachricht - zumindest kurzfristig
«Nestlé bleibt im globalen Kaffeemarkt klarer Branchenführer. Kurzfristig ergeben sich sogar Chancen für Nestlé, da Keurig Dr Pepper in die anspruchsvolle Integration von JDE eingebunden werden könnte», führt Bertschy auf Anfrage von cash.ch aus. Er hält auch an seinem Kursziel von 90 Franken und dem «Buy»-Rating für die Nestlé-Aktie fest.
Dass die Übernahme von JDE durch Keurig Dr Pepper kurzfristig eine gute Nachricht für Nestlé ist, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Denn die Grossfusion und der Konzernumbau bringen Herausforderungen und Komplexitäten mit sich, wie die Nachrichtenagentur AWP gestützt auf eine Studie der britischen Bank Barclays berichtet. Der zuständige Barclays Analyst sagt aber auch, die Transaktion werde die globale Kaffeeindustrie aufmischen und «einen stärkeren Herausforderer für Nestlé schaffen». Dies primär in den USA.
Barclays hat das Preisziel für die Valoren von Nestlé nach dem Bekanntwerden der Übernahme bestätigt. Es beträgt wie zuvor 86 Franken. Die Einstufung «Equalweight» blieb ebenfalls unverändert. Gleiches tat der Experte der Citigroup; er bestätigte am Mittwoch das Kursziel von 90 Franken und das «Neutral»-Rating.
Am Freitag hat sich auch die Deutsche Bank zu Nestlé geäussert. Die DB-Experten haben CEO Laurent Freixe und Finanzchefin Anna Manz getroffen. Nun gehen sie von einem internen Realwachstum (RIG) um 0,7 Prozent im zweiten Halbjahr 2025 aus. Das in Vevey beheimatete Unternehmen habe sich auch voll zu seiner Dividendenpolitik bekannt und sei zuversichtlich, dass sich das RIG und die Margen im Geschäftsjahr 2026 weiter verbessern - trotz der Zölle.
Ein Turnaround, wie Nestlé ihn durchläuft, gehe nie linear vor sich, heisst es im DB-Kommentar. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass sich das Marktumfeld kurzfristig wesentlich verbessern werde. Die DB-Analysten glauben aber, dass das Management von Nestlé das Unternehmen «grundlegend verbessert». Das Preisziel der Deutschen Bank für die Nestlé-Aktie liegt bei 81 Franken. Die Einstufung lautet «Hold».