Die Geldhäuser reichten 3,1 Prozent mehr Darlehen an europäische Firmen aus als ein Jahr zuvor, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mitteilte. Das ist der stärkste Anstieg seit Mitte 2023. Im Oktober hatte er noch bei 2,9 Prozent gelegen.
An die Privathaushalte vergaben die Institute im November 2,9 Prozent mehr Kredite als ein Jahr zuvor. Das ist das grösste Plus seit dem Frühjahr 2023. Im Oktober war der Zuwachs mit 2,8 Prozent etwas schwächer ausgefallen.
Eine stärkere Kreditaufnahme durch die Unternehmen kann Vorbote für verstärkte Investitionen sein. Besonders die Industrie der Währungsunion steckt wegen der hohen US-Zölle und der schwächeren Nachfrage aus China unter Druck. Sie kann frische Impulse gut gebrauchen: Deren Einkaufsmanagerindex fiel im Dezember um 0,8 auf 48,8 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit neun Monaten, wie der Finanzdienstleister S&P Global zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte.
Das Barometer bleibt damit unter der Marke von 50,0, ab der es ein Wachstum signalisiert. «Die Nachfrage nach Industrieprodukten aus der Euro-Zone verlangsamt sich erneut», sagte der Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia. «Deutlich weniger Aufträge, rückläufige Auftragsbestände und ein anhaltender Lagerabbau sind die offensichtlichsten Indikatoren dafür.»
Die Geldmenge M3 stieg im November um überraschend kräftige 3,0 Prozent, nach 2,8 Prozent im Oktober. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit 2,7 Prozent gerechnet. Zu M3 zählen Bargeld, Einlagen auf Girokonten sowie Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen. Volkswirten zufolge kann die Entwicklung dieser Messgrösse Hinweise auf die Entwicklung der Inflation geben.
Die EZB hat ihren Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder bei der Notenbank erhalten, in der zweiten Jahreshälfte 2025 konstant bei 2,0 Prozent belassen. Ein Grund dafür ist die Inflationsrate, die aktuell über dem Zielwert von zwei Prozent liegt.
