Die russische Regierung spricht die wirtschaftlichen Probleme des Landes zwar an, sieht sie aber als nicht erheblich an. «Diese Schwierigkeiten sind nicht kritisch», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Regierung und Präsident Wladimir Putin wüssten, was zur Steuerung und Verbesserung der Lage zu tun sei. «Die makroökonomische Stabilität ist vollständig gewährleistet», fügte er hinzu. Peskow reagierte damit auf eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Zentralbank, die eine deutliche Verschlechterung der Stimmung in den Unternehmen zeigte. Der Geschäftsklimaindex der Zentralbank fiel im Juli um 4,5 Punkte auf minus 3,6 Zähler. Dies ist der niedrigste Stand seit Mitte 2022. Gleichzeitig stiegen die Preiserwartungen der Unternehmen deutlich.
Der Investmentbanker und Wirtschaftsprofessor Jewgeni Kogan wies darauf hin, dass es seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 nur fünf Monate gegeben habe, in denen sich der Indikator schneller verschlechtert habe. Ein Abrutschen in den negativen Bereich sei in der Vergangenheit mit Wirtschaftskrisen verbunden gewesen, erklärte der Professor an der Moskauer Higher School of Economics. Die steigenden Inflationserwartungen deuteten zudem auf einen starken Kostenanstieg hin. Dieser sei eine Folge der Treibstoffknappheit, die durch die zunehmenden ukrainischen Gegenangriffe auf russische Ölraffinerien verursacht werde. Damit will die Ukraine eine wichtige Einnahmequelle Russlands zur Finanzierung seines Angriffskriegs lahmlegen.
«Im Ergebnis könnte die Kraftstoffkrise sowohl den Preiauftrieb beschleunigen als auch die Wirtschaft in eine Rezession stürzen», schrieb Kogan auf seinem Telegram-Kanal. Eine solche Situation werde als Stagflation bezeichnet. Dies bringe die Zentralbank in ein Dilemma. Werde der Leitzins zur Bekämpfung der Inflation erhöht, könne dies die Wirtschaft abwürgen. Werde der Zins zur Stützung der Konjunktur gesenkt, werde sich die Inflation weiter beschleunigen. «Es muss etwas geopfert werden», warnte der Experte.
(Reuters)

