Auch wenn Exxon Mobil und Chevron mit den Gewinnzahlen überrascht haben, fielen die Überschüsse beider Unternehmen auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren, wie aus den am Freitag veröffentlichten Bilanzen hervorgeht. ⁠Grund für die gegensätzliche Entwicklung waren die Folgen des am 28. Februar begonnenen US-israelischen Krieges gegen den Iran: Hohen Ölpreisen standen Lieferausfälle sowie Belastungen durch bilanzielle Verschiebungen ‌bei Derivate-Geschäften gegenüber.

Der Konflikt im Nahen Osten liess die Ölpreise im Berichtsquartal um bis ‌zu 50 Prozent steigen, da der Schiffsverkehr durch die Strasse ​von Hormus nahezu zum Erliegen kam. Dies half dem Fördergeschäft (Upstream) beider Konzerne. Chevron etwa steigerte hier den Gewinn um vier Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar.

«Trotz der erhöhten geopolitischen Volatilität und der damit verbundenen Lieferunterbrechungen hat Chevron eine solide Leistung im ersten Quartal erbracht», sagte Konzernchef Mike Wirth. Dem standen jedoch bei beiden Konzernen hohe Belastungen gegenüber. So verbuchte Chevron in seinem Verarbeitungs- und Vertriebsgeschäft (Downstream) einen ‌Verlust von 817 Millionen Dollar, was vor allem auf die Bewertung von Finanzderivaten zurückgeführt wurde.

Die Auswirkungen des Krieges trafen die beiden Rivalen unterschiedlich stark. Exxon, dessen Öl- und Gasförderung zu rund 20 Prozent im Nahen Osten liegt, meldete Produktionsausfälle von sechs Prozent im Vergleich ​zum Vorquartal. Zudem fielen Verluste von 700 Millionen Dollar für Ladungen an, die wegen des Konflikts nicht ​ausgeliefert werden konnten. Chevron ist mit einem Anteil von unter fünf Prozent seiner ​Produktion in der Region deutlich weniger betroffen. Der Nettogewinn von Exxon fiel auf 4,2 Milliarden Dollar von 7,7 Milliarden im Vorjahr. Bei Chevron sank er ‌auf 2,2 Milliarden von 3,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei Exxon mit 1,16 Dollar klar über der Analysten-Prognose von 1,00 Dollar, bei Chevron waren es 1,41 statt 0,95 Dollar.

Beide Unternehmen betonten, dass die Belastungen durch die Derivate-Geschäfte temporär seien und sich ​in ​den kommenden Quartalen umkehren dürften. «Wir sehen, dass der Cashflow wächst, wir sehen, ⁠dass die Gewinne wachsen, und alle unsere Pläne liegen auf Kurs», sagte ​Chevron-Finanzchefin Eimear Bonner. Beide Konzerne schütteten ⁠zudem weiter kräftig Geld an ihre Aktionäre aus. Exxon zahlte 4,3 Milliarden Dollar an Dividenden und kaufte Aktien für 4,9 Milliarden ‌Dollar zurück. Chevron schüttete 3,5 Milliarden Dollar an Dividenden aus und erwarb eigene Papiere im Wert von 2,5 Milliarden Dollar.

Raffinerien und Pipeline-Betreiber profitieren

Andere Teile der nordamerikanischen Energiebranche wie Raffinerien und Pipeline-Betreiber profitierten hingegen von der robusten Nachfrage ‌und den Marktverwerfungen. So wies der Raffineriebetreiber HF Sinclair für das erste Quartal einen überraschenden ​bereinigten Gewinn von 69 Cent je Aktie aus, während Analysten im Schnitt mit einem Verlust von sechs Cent gerechnet hatten.

Der kanadische Pipeline-Betreiber TC Energy übertraf mit einem bereinigten Gewinn von 99 kanadischen Cent je Aktie ebenfalls die Prognosen der Experten, die bei 98 kanadischen Cent gelegen ‌hatten.

(Reuters)