Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um durchschnittlich 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Im April war die Inflationsrate bereits auf 3,0 Prozent geklettert. In ersten Reaktionen hiess es dazu:
JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:
«Die Inflation dürfte noch viele Monate über drei Prozent liegen, sofern die Strasse von Hormus wider Erwarten nicht schnell geöffnet wird. Für eine anhaltend hohe Inflation spricht auch, dass Umfragen zufolge immer mehr Unternehmen die gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weitergeben. Nicht umsonst ist die Kerninflation ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel im Mai unerwartet stark gestiegen. Ausserdem haben die langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher spürbar angezogen. Der EZB bleibt nichts anderes übrig, als ihre Leitzinsen auf der Sitzung nächste Woche anzuheben. Vermutlich dürfte sie sie nach der Sommerpause erneut erhöhen.»
ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:
«Die Energiepreise sind und bleiben der Spielverderber bei der Inflation. Es sieht weiter so aus, dass die Drei vor dem Komma in diesem Jahr nicht mehr verschwindet. Daran dürfte sich auch dann nichts ändern, wenn der Iran-Krieg bald endete. Die gestiegenen Kosten werden sich auf immer mehr Ausgabenkategorien ausweiten. Zweitrundeneffekte sind also unterwegs, sie steigern die Alarmbereitschaft der EZB. Die EZB ist bereits auf dem Sprung die Leitzinsen in der nächsten Woche anzuheben.»
(Reuters)

