Der Autobauer Porsche will mit Einsparungen, Personalabbau und mehr Spitzenmodellen aus der Krise kommen. Die Pläne des neuen Vorstandschefs Michael Leiters im Detail:

Kosten

«Wir setzen bereits rigorose Kostensenkungen durch», sagte Leiters. Das betrifft alle Unternehmensbereiche. Die Entwicklung soll 20 Prozent einsparen, vor allem indem die Entwicklungszeit um 40 ‌Prozent reduziert ⁠wird. Die Materialkosten sollen um zehn Prozent sinken, bei den Lieferanten will Porsche 15 Prozent sparen. Die Arbeitskosten in der Produktion sollen um 30 Prozent gedrückt ⁠werden - das gilt nicht nur für den Stammsitz Zuffenhausen, sondern auch für das effizientere Werk Leipzig. Neben Stellenabbau ist dafür das Absenken des Tarifniveaus ein Hebel. Verkauf und Marketing müssen mit ‌20 Prozent weniger Ausgaben auskommen. Durch Qualitätsverbesserungen will Leiters den Aufwand für Garantieleistungen um 45 Prozent reduzieren. Synergien will ‌er durch gemeinsame Fahrzeugplattformen mit der Konzernschwester Audi heben.

Modelle

Die Zahl der Varianten, die ​es von den sechs Baureihen gibt, soll um ein Fünftel sinken. Bezogen auf den Absatz sollen es 30 Prozent weniger sein. So steigt die Stückzahl pro Derivat um 30 Prozent und damit der Grössenvorteil.

Den Absatzanteil der beiden oberen Modellsegmente, zu denen besonders teure Ausführungen des Sportwagens 911 gehören, will Porsche von einem Drittel auf rund 45 Prozent ausbauen. Der durchschnittliche Verkaufspreis der 10'000 Top-Modelle soll um ein Fünftel auf mehr als 330'000 Euro steigen. Porsche setzt stärker auf den Verbrennungsmotor, da die Sportwagen-Kundschaft zu ‌wenig Begeisterung für E-Autos zeigt. Zwei von drei verkauften Porsches sollen mit Benzin fahren, ein Drittel mit Strom. So kommt bis 2028 ein Nachfolger des kleineren SUVs Macan wieder mit Verbrennungsmotor heraus. «Ich kann Ihnen versichern - der 911 wird niemals elektrisch sein», sagte Leiters. Der neue 718 wird hingegen ein Stromer. Eine Supersportwagenplattform für Modelle oberhalb vom ​911 ist ebenso geplant wie ein Luxus-SUV über dem Cayenne.

Märkte

Porsche kämpft mit einem schrumpfenden Absatz vor allem auf dem grössten ​Automarkt China. Zu Spitzenzeiten 2020 lag der Absatzanteil noch bei 35 Prozent und mehr als 90'000 ​Fahrzeugen. In diesem Jahr erwarten Analysten nur noch einen Absatz von 25'000 Fahrzeugen. Künftig werde der Anteil unter zehn Prozent sinken. «Dort tobt ein zerstörerischer Preiskrieg - wir suchen Nischen», sagte Leiters. «Wir werden diesen Markt nicht aufgeben.» ‌Wachstumspotenzial sieht Porsche in den USA, wo der Absatzanteil von 35 Prozent steigen soll. In Europa wird ein stabiler Anteil von 35 Prozent erwartet.

Menschen

Die Belegschaft von rund 42'000 soll mittelfristig um 25 Prozent schrumpfen - «mit einem strategischen Ziel von 30 Prozent». In zwei Verhandlungsrunden mit dem Betriebsrat wurde bereits der Abbau von 9000 Stellen bis 2035 vereinbart. Das darin ​enthaltene, im ​Sommer beschlossene Paket von 5000 Jobs soll die Kosten um einen mittleren dreistelligen ⁠Millionenbetrag im Jahr oder zehn Prozent drücken. Von den Managementpositionen fallen 40 Prozent weg. Leiters sprach von «unverhältnismässigem» Stellenwachstum ​ausserhalb der Produktion in Verwaltung und Management. «Wir ⁠werden das korrigieren.» Der Abbau soll sozialverträglich, also ohne Kündigungen, vonstattengehen.

Die individuelle Leistung wird eine grössere Rolle spielen bei den Boni - künftig sollen 30 Prozent der Gratifikation ‌davon abhängen, nach bisher zehn Prozent. «Niemand kann sich hinter der Organisation verstecken, jeder muss seinen Teil Verantwortung übernehmen», erklärte Leiters. Ab 2028 soll ein Programm für Mitarbeiteraktien aufgelegt werden.

Finanzziele

Nach dem Gewinneinbruch des vergangenen Jahres will Porsche binnen fünf Jahren zu alter Stärke zurückfinden. Da der Absatz schrumpft, will ‌der Autobauer die Gewinnschwelle unter 200'000 Fahrzeuge im Jahr senken, indem aus jedem Fahrzeug mehr herausgeholt wird. Ziel bleibt wie ​bisher eine operative Rendite von zehn bis 15 Prozent bei 41 bis 45 Milliarden Euro Umsatz. Letzteres Niveau, das für den einst profitabelsten deutschen Hersteller jahrelang der Normalfall war, gilt auch als Langfristziel. Es sei aber erst bei einem besseren Marktumfeld oder mit zusätzlichen wertschaffenden Massnahmen zu erreichen. Die Netto-Cashflow-Marge soll zwischen neun und zwölf Prozent liegen, die Nettoliquidität 15 bis ‌20 Prozent vom Autoumsatz betragen. Mindestens 50 Prozent ​des Konzerngewinns werden als Dividende ausgeschüttet.

(Reuters)