Krypto - Perfekter Kontraindikator? Wenn JP-Morgan-Boss Jamie Dimon vor Bitcoin warnt, steigt der Kurs

Jamie Dimon von JP-Morgan betitelte Bitcoin kürzlich erneut als «wertlos». Ein Blick in die Geschichte zeigt: Nach Dimons Warnungen ging es mit dem Bitcoin-Kurs stets bergauf.
12.10.2021 14:00
Jamie Dimon, CEO von der US-Grossbank JPMorgan.
Jamie Dimon, CEO von der US-Grossbank JPMorgan.
Bild: imago images / IP3press

"Egal, was irgendjemand hier im Raum darüber denkt, oder was irgendwelche Libertären denken, oder was irgendjemand sonst darüber denkt: die Regierung wird es regulieren", sagte JP-Morgan-Chef Dimon am Montag auf der jährlichen Mitgliederversammlung der weltweiten Bankenlobby Institute of International Finance, die dieses Jahr wieder virtuell abgehalten wurde.

Das US-Treasury Department plant, so genannte Stablecoins ähnlichen Regeln zu unterwerfen, wie sie für Banken gelten, wie Bloomberg News vor kurzem berichtete. Dimon wiederholte seine schon öfter geäusserten Ansichten zu Bitcoin, unterschied jedoch zwischen seiner persönlichen Sichtweise und dem offiziellen Umgang der New Yorker Bank mit Kundenwünschen zu Digitalassets.

"Ich persönlich denke, dass Bitcoin wertlos ist", so Dimon. "Unsere Kunden sind Erwachsene, sie sind anderer Meinung - so sind Märkte halt. Wenn sie Zugang haben wollen, um sich Bitcoin zu kaufen, können wir es zwar nicht verwahren, aber wir können ihnen legitimen Zugang bieten, der so sauber ist wie möglich."

Auf Twitter sorgt die Wortmeldung von Dimon zum Thema Bitcoin teilweise für Spott. Ein Blick in die Geschichte zeigt nämlich: Dimon spricht regelmässig Warnungen vor der weltgrössten Kryptowährung aus. Und noch besser: Jedes Mal, wenn er seinen Bitcoin-Alarm in die Welt sendet, legt die Kryptowährung darauffolgend einen Lauf hin. So geschehen im November 2015, als er davor warnte, dass das System um Bitcoin früher oder später "gestoppt" werde. In den darauffolgenden zwölf Monaten stieg der Kurs von etwas mehr als 300 Dollar auf über 700 Dollar – knapp 130 Prozent. 

Nächstes Beispiel: Im Januar 2016 warnte Dimon davor, dass Bitcoin "nirgendwo hingehen wird". Diesmal wies die darauffolgende Zwölf-Monats-Performance ein Plus von knapp 140 Prozent aus. Doch es geht noch weiter. Im September 2017 – kurz vor dem ersten grossen Bitcoin-Hype – bezeichnete Dimon Bitcoin gar als einen "Betrug", der letzten Endes platzen wird. Die zwölf Monate danach stieg Bitcoin "nur" um rund 45 Prozent – trotz dem massiven Einbruch nach dem Hype um den Jahreswechsel 2017/2018. 

Seit der ersten Warnung des JP-Morgan-Chefs ist Bitcoin übrigens um knapp 14'000 Prozent gestiegen – von 300 Dollar auf heute rund 57'000 Dollar. Wenn das Muster sich fortsetzt, dürften Bitcoin-Anhängern gute zwölf Monate bevorstehen. 

Aktuell flirtet Bitcoin mit einem Run auf sein Allzeithoch, nachdem die digitale Münze seit ihrem Tief im Juli um mehr als 90 Prozent gestiegen ist. Die grösste Kryptowährung handelte zuletzt knapp über 57'000 Dollar und lag damit etwa 7'700 Dollar unter ihrem Rekord vom April. Die jüngste Rallye bei digitalen Token wie Bitcoin steht im Kontrast zu Turbulenzen bei Aktien, Anleihen und Gold inmitten der Nervosität an den globalen Märkten. Rekordstände für Bitcoin, etwa bei 80'000-85'000 Dollar, seien möglich, basierend auf den Chartmustern, sagte Vijay Ayyar, Leiter der Asien-Pazifik-Region bei der Kryptobörse Luno. 

(cash/Bloomberg)