Um 10.55 Uhr notieren Kühne+Nagel um 0,3 Prozent höher auf 208,60 Franken nachdem die Titel mit einem Plus von 1,8 Prozent klar fester in den Handel gestartet waren. Ebenso ist der Titel weit entfernt davon, an die vorbörslichen Kursgewinne von 6,8 Prozent anzuschliessen.
Die Kühne-Papier legen somit eine Verschnaufpause ein, da wohl ein Grossteil der positiven Nachrichten schon eingepreist war. Im bisherigen Jahresverlauf haben sich die Titel mit einem Kursplus von mehr als einem Fünftel gut geschlagen, nachdem es allerdings im Vorjahr mit einem Minus von rund 18 Prozent sehr schwach abgeschnitten hatten.
Unter Analysten werden die Quartalszahlen des Logistikers grundsätzlich positiv beurteilt. Kühne+Nagel habe die EBIT-Konsensschätzungen um rund 8 Prozent geschlagen, heisst es etwa bei der Bank Vontobel. «Der Konzern erzielte ein ermutigendes Quartalsergebnis, das durch Marktanteilsgewinne in allen Geschäftsbereichen, positive Mix-Effekte und Verbesserungen der Rentabilität aufgrund bereits eingeleiteter Kostensenkungsinitiativen angetrieben wurde», so Vontobel-Experte Michael Foeth. Er hebt sein Kursziel auf 240 von 210 Franken an.
Gut kommt bei den Experten auch die angehobene Guidance an. Hier seien die aktuellen Konsensschätzungen zu tief, heisst es in verschiedenen Kommentaren. Ein Grund für die Anhebung des Jahreszieles sei neben Volumeneffekten, dass das Unternehmen rascher als gedacht mit dem Sparprogramm vorwärtskomme, schreibt der Analyst der UBS. Es seien nun im laufenden Jahr Einsparungen von über 120 statt mindestens 100 Millionen Franken geplant.
Als weiterer positiver Punkt gilt unter den Fachleuten die Quantifizierung der KI-Effizienzgewinne. «Wir sind der Ansicht, dass der Einsatz von KI die Kosten bei Spediteuren senken kann und dass Kühne+Nagel einer der Gewinner sein wird», schreibt der Bernstein-Experte dazu. Allerdings sei noch nicht ganz klar, ob dies zu Margenverbesserungen führe oder bloss den Kunden in Form von tieferen Preise zugute komme.
Luftfracht im Hoch
Kühne+Nagel rechnet für 2026 nun mit einem bereinigten operativen Gewinn (Ebit) von 1,35 bis 1,55 Milliarden Franken, wie es am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte der Konzern, der seinen Ausblick zuletzt im April erhöht hatte, 1,25 bis 1,40 Milliarden Franken in Aussicht gestellt. Als Grund für den Optimismus nannte Kühne+Nagel vor allem gute Geschäfte in der Luftfracht sowie eine Effizienzsteigerung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Mit der neuen Prognose übertrifft der Konzern die Erwartungen der Analysten. Diese hatten im Mittel mit einem operativen Gewinn von 1,41 Milliarden Franken für das Gesamtjahr gerechnet.
In den Monaten April bis Juni stieg der Nettoumsatz von Kühne+Nagel um 8 Prozent auf 6,62 Milliarden Franken, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Währungsbereinigt resultierte ein Plus von 11 Prozent.
Gewachsen ist das Unternehmen vor allem im Luftfrachtgeschäft. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um satte 25 Prozent. Dieser Erfolg wurde laut dem Communiqué massgeblich durch die Verbesserung des Kundenportfolios und Marktanteilsgewinnen insbesondere im Tech-Sektor erreicht.
Kühne+Nagel gilt als ein KI-Boom-Profiteur. Wenn hochkomplexe Teile für Datencenter zum Beispiel von Asien in die USA transportiert werden müssen, sind das lukrative Aufträge für Logistiker.
Der um die volatilen Frachttarife bereinigte Rohertrag erhöhte sich um 3 Prozent auf 2,25 Milliarden, wie es weiter hiess. Das Betriebsergebnis (EBIT) nahm in der Folge um 11 Prozent auf 381 Millionen Franken zu und der Reingewinn um 10 Prozent auf 276 Millionen. Die Konversionsmarge (Verhältnis EBIT zu Rohertrag) erreichte 17 Prozent.
Mit den Zahlen hat Kühne+Nagel die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen.
(Reuters/AWP/cash)

