«Wir werden sehen, wie er auf Druck ‌reagiert, ⁠wenn er unter Druck geraten sollte», sagte der scheidende Chef des Fed-Bezirks Atlanta, Raphael Bostic, ⁠im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er fügte hinzu: «Man glaubt zu wissen, was der Job beinhaltet, ‌und dann kommt man auf den Posten und merkt, ‌wie er wirklich ist. Oft ist er ​ganz anders.» Bostic äusserte die Hoffnung, dass die Schutzmechanismen, die die Unabhängigkeit der Fed – zumindest bei der Festlegung der Geldpolitik – gewährleisten, Bestand haben werden. Trump drängt die unabhängige Notenbank Federal Reserve seit Langem zu schnelleren und stärkeren Zinssenkungen.

Er hat den noch bis ‌Mai amtierenden Fed-Chef Jerome Powell immer wieder harsch kritisiert und zudem versucht, die Direktorin Lisa Cook wegen angeblicher Falschangaben bei Hypothekenanträgen des Amtes zu entheben. Cook wehrt sich dagegen mit ​einer Klage, die derzeit vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt wird. ​Der Fall gilt als Grundsatzfrage zum Einfluss des ​Präsidenten auf die Zentralbank.

Mit Warsh hat Trump einen Nachfolger Powells ausgewählt, unter dem sich der Kurs ‌der unabhängigen Notenbank ab Juni wandeln soll: Trump geht fest davon aus, dass die Fed unter Warsh die Zinsen senken wird. Er glaube, dass der künftige Fed-Chef seine ​Präferenz ​für niedrige Zinsen verstehe, liess der US-Präsident ⁠wissen. Nach Ansicht von Bostic wird Warsh, wie jeder ​neue Fed-Chef, Vertrauen bei den ⁠Mitarbeitern, den Direktoren und Chefs der Zentralbankbezirke aufbauen müssen: «Seine Aufgabe wird es sein, diese ‌Beziehungen so aufzubauen, dass die Institution weiterhin funktionieren kann», gab er dem Nachfolger Powells auf den Weg. Bostic, der erste schwarze und erste ‌offen homosexuelle Chef einer der zwölf regionalen Notenbanken der Fed, scheidet ​Ende des Monats aus dem Amt. Der 59-Jährige steht seit Juni 2017 an der Spitze des Fed-Bezirks Atlanta.

(Reuters)