Die Aktien des Turboladerherstellers Accelleron schiessen am Donnerstag im frühen Handel um 14 Prozent auf 75,80 Franken hoch, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) 0,5 Prozent tiefer steht. In den vergangenen drei Jahren zog der Titel um 240 Prozent an.

Mit den vorgelegten Jahreszahlen wusste Accelleron zu überzeugen. Mark Diethelm, zuständiger Analyst bei Vontobel, verweist auf das über den Erwartungen liegende Ergebnis, welches auf die Schifffahrt und Energie, ebenso wie auf den Datencenter-Boom und die steigende globale Nachfrage nach gasbasierter Primärenergie zurückzuführen sei. Beide Segmente blieben trotz Zollbelastung rentabel, bei einem soliden freien Cashflow auf Konzernebene.

Etwas enttäuschend war, dass die Dividende nicht stärker erhöht wurde. Das aufgelegte Aktienrückkaufprogramm wusste dagegen zu überzeugen. Dividendenerhöhung und Aktienrückkauf wurden erwartet, seien aber trotzdem positiv zu bewerten, erläutert Diethelm von Vontobel weiter. Der Mittelwert des 2026 anvisierten operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) suggeriere eine mittlere bis hohe einstellige Korrektur der Konsensprognose und dürfte den Aktienkurs stützen. Vontobel vergibt ein Rating «Hold» mit einem Kursziel von 68 Franken.  

Yannik Ryf von der Zürcher Kantonalbank zeigt sich optimistischer und empfiehlt den Titel mit «Übergewichten» zum Kauf. Accelleron blicke trotz der geopolitischen Unsicherheiten auf ein weiteres sehr positives Geschäftsjahr zurück, das auf allen Ebenen über den Erwartungen liegt.

Das Umsatzwachstum dürfte sich nach Ansicht des ZKB-Analysten (ZKB) aufgrund des stabilen Geschäftsmodells - der Serviceanteil macht 75 Prozent vom Umsatz aus - und der langfristigen Wettbewerbsvorteile auch mittelfristig fortsetzen, da beide wesentlichen Endmärkte Marine und Energie strukturelle Wachstumstreiber aufzeigen.

Aufgrund des zunehmenden operativen Leverage sei darüber hinaus mittelfristig mit einer weiteren Steigerung der operativen Ebita-Marge zu rechnen. Dies wurde mit dem positiven Ausblick für 2026 am Donnerstag seitens Accelleron ebenfalls untermauert, so Ryf von der ZKB weiter.

Positiv sieht er zudem die wesentliche Steigerung des freien Cashflows mit +20,6 Prozent auf 214,3 Millionen Dollar. Dieser erlaube eine deutliche Erhöhung der Dividende sowie die Lancierung des ersten Aktienrückkaufprogramms. Mit einem geschätzten indikativen Wert von rund 84 Franken, basierend auf dem freien Cashflow, erachtet die ZKB die Accelleron-Valoren weiterhin als attraktiv bewertet.

Ob die Titel von Accelleron tatsächlich weiteres Aufwärtspotenzial haben, wird sich in den nächsten Wochen weisen. Der deutsche Vermögensverwalter Berenberg zeigt sich etwas zurückhaltender. Accelleron verfüge über eine starke Marktposition mit Blick auf die Dekarbonisierung der Schifffahrt in Kombination mit einem resilienten Aftermarket-Geschäft, schrieb Analyst Patrick Laager vor Monatsfrist.

Für die kommenden drei Jahre dürfte der Umsatz um 13 bis 14 Prozent wachsen und die operative Ebita-Marge bis 2027 auf rund 26 Prozent steigen. Allerdings erscheine die Bewertung bereits anspruchsvoll und das kurzfristige Kurspotenzial begrenzt, so die Konklusion des Berenberg-Experten damals. 

Von elf Analysten stufen zwei den Titel mit «Kaufen» und neun mit «Halten» ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 67 Franken.  

(cash)