Die Aktien des Sanitärtechnikunternehmens Geberit verlieren am Freitag 0,10 Prozent auf 444,40 Franken, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI) 0,10 Prozent tiefer steht. Der Titel steht seit Jahresbeginn mit 1,2 Prozent leicht höher. Wird die Kursentwicklung über die letzten zwei Jahre betrachtet, so hatten Aktionäre indessen wenig Freude: Seit dem Erreichen des Allzeithoch am 15. August 2021 ging es mit den Valoren bergab und diese stehen 42,2 Prozent tiefer. 

Geberit hat über das letzte Jahrzehnt vom starken Bauboom in den Kernmärkten Deutschland und Schweiz profitiert und wusste mit soliden Kennzahlen aufzuwarten. Mit der steigenden Inflation nach dem Corona-Boom, dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und den Zinserhöhungen durch die Zentralbanken in den letzten 18 Monaten kam der Immobiliensektor in Europa zum Stillstand. Analysten griffen zum Rotstift und senkten Ratings und Kursziele am Laufmeter und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Nach der deutlichen Konjunktureintrübung in Deutschland im laufenden Jahr zeigt sich das nun auch deutlich in den Unternehmenszahlen, wie Jefferies-Analystin Priyal Woolf schreibt. Sie senkt deshalb das Kursziel für Geberit auf 313 von 323 Franken. Die Einstufung lautet weiterhin Underperform. Das zweite Quartal 2023 des Sanitärtechnikkonzerns sei enttäuschend ausgefallen insbesondere aufgrund einer weiteren Verschlechterung der bereits schwachen Volumen des ersten Jahresviertels. Sie sehe denn auch weitere Herausforderungen in der zweiten Jahreshälfte.

Ein derart aggressiv tiefes Kursziel hat keine andere Bank. Von Barclays über Deutsche Bank, Kepler Chevreux, Morgan Stanley und Stifel haben die Investmenthäuser wegen der schwachen Umsatz- und Gewinnentwicklung zwar auch Kurszielreduktionen vorgenommen - allerdings nur im Bereich von 6 bis 10 Prozent. Die Kursziele bewegen sich nun in einer Bandbreite von 408 Franken bei Morgan Stanley bis 460 Franken bei Stifel. 

Ist die Talsohle erreicht?

Auch die UBS hat vor einer Woche das Kursziel für Geberit auf 530 von 550 Franken gesenkt. Allerdings belässt die grösste Schweizer Bank die Einstufung weiterhin auf "Buy". Der UBS-Analyst Patrick Rafaisz senkte seine Prognosen für den Gewinn pro Aktie um durchschnittlich rund 5 Prozent. Der zugrundeliegende Markt des Sanitärtechnikkonzerns sei nach wie vor von schwachen Volumina betroffen. So lägen Lagerbestände der Vertriebskanäle jetzt unter dem Normalwert. Der Analyst betont, dass die Baumärkte schwach seien und sich die Nachfrage in den Heizungsbereich verlagere.

Obwohl die Marktaussichten weiterhin schwierig seien, dürfte das Schlimmste aber hinter dem Unternehmen liegen und Geberit könnte seiner Einschätzung nach bis zum vierten Quartal zum Wachstum zurückkehren. Sollte Rafaisz mit seiner Prognose richtig liegen, so winkt Anlegerinnen und Anlegern ein Gewinnpotenzial von 19 Prozent. 

(cash/AWP)