Bald ist es einen Monat her, seit Centiel sein IPO am Schweizer Aktienmarkt gefeiert hat. Vom Eröffnungskurs bei 3,20 Franken hat sich der Notstromversorger mittlerweile auf 6,82 Franken hochgearbeitet. Der Wert hat sich seit der Erstnotierung Mitte April also mehr als verdoppelt.

Die Firma entwickelt und produziert Technologie, mit der kritische Infrastruktur ‌vor Stromausfällen oder Netzschwankungen geschützt werden kann. Das betrifft in etwa Rechenzentren, Krankenhäuser, Banken oder das Kernforschungszentrum CERN.

Geografisch will das Tessiner Unternehmen den europäischen Markt weiter durchdringen und zudem den US-Markt erschliessen. Dafür wurde diese Woche ein wichtiger Schritt vorgenommen: Centiel hat mit Neo Critical Power einen mehrjährigen Vertriebsvertrag für den US-Markt abgeschlossen und damit die Basis für Geschäftsvolumina im niedrigen dreistelligen Millionenbereich geschaffen, abhängig von Projekten und Nachfrage. Für das laufende Jahr erwartet Centiel nun erste Umsätze im niedrigen zweistelligen Franken-Millionenbereich.

Die Aktien gewannen am Tag der Ankündigung über 20 Prozent und setzten den Höhenflug auch an den nachfolgenden Tagen fort. So gewinnt Centiel den Titel als «Aktie der Woche» mit dem höchsten Gewinn (+29 Prozent) am SPI (+2,8 Prozent). Darauf folgen Givaudan (+11 Prozent), VAT (+11 Prozent) und Richemont (+10,5 Prozent).

Höhere Kursziele 

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigte sich positiv überrascht, weder hatte der Analyst mit einem derart umfangreichen noch mit so frühen Vertragsabschluss gerechnet. Am Freitag bestätigen die Analysten, dass ihre bisherigen Annahmen eher konservativ waren und deutliches zusätzliches Wachstumspotenzial bestünde. In einem Beispiel-Szenario könnte der Umsatz bis 2029 auf rund 112 Millionen Franken steigen, während das Basisszenario bei 93 Millionen liegt, um Umsetzungsrisiken zu berücksichtigen.

In der Folge erhöhen die ZKB-Analysten ihre Prognosen: Für 2026 wird der Umsatz auf 67,2 Millionen Franken angehoben, die Wachstumsrate bis 2030 steigt auf 24 Prozent und die EBIT-Marge auf 27 Prozent. Auch die Gewinnerwartungen steigen deutlich. 

Der faire Wert der Aktie wird von der Zürcher Bank um 1,60 Franken höher auf 8,10 Franken gesetzt, das Rating bleibt bei «Übergewichten». Die Aktie sei zwar «kein Schnäppchen» mehr, bleibe aber getrieben durch das dynamische Wachstum und die hohe Profitabilität im Wert «gerechtfertigt».

Auch die UBS erhöhte diese Woche ihr Kursziel auf 6,32 von 5,50 Franken und bestätigte die Einstufung «Neutral». Gleich wie die ZKB rechnet der zuständige Analyst über die nächsten drei Jahre mit zusätzlichen Umsätzen von 105 bis 115 Millionen Franken. 

Noch optimistischer zeigt sich ODDO BHF. Die Bank hob das Kursziel auf 8,15 von 5,30 Franken an und stufte die Aktie auf «Outperform» von «Neutral» hoch. Dank der Partnerschaft könne Centiel den international wichtigsten Datacenter-Markt schneller und mit begrenztem Investitionsbedarf erschliessen. Er erwartet für die Jahre 2026 bis 2028 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von über 36 Prozent, so der zuständige Analyst.

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
Aisha GutknechtMehr erfahren