Man werde bei ‌Bedarf ⁠handeln, wenn es die Datenlage erfordere, sagte die Französin Bloomberg TV ⁠am Dienstag mit Blick auf die Zinspolitik. Man werde dann nicht zögern. Es gelte, «agil» ‌zu reagieren. Hinsichtlich der Inflation halte die EZB ‌die Entwicklung auf mittlere Sicht ​im Auge und werde zugleich die einlaufenden Daten prüfen. Man müsse sehen, ob sich nur vorübergehende Effekte abzeichneten, über die die Europäische Zentralbank hinwegsehen könne. Bei Anzeichen für lang andauernde Effekte sei hingegen ‌Handeln angesagt: «Womöglich entschlossen», fügte sie hinzu.

Der kroatische Notenbankchef Boris Vujcic sieht den bisherigen Ölpreisanstieg im Zuge des Iran-Konflikts bislang nicht als grossen ​Inflationstreiber. Er erklärte jüngst, der Energieschock sei aufgrund der ​zweiwöchigen Waffenruhe im Krieg zwischen den ​USA und dem Iran noch von geringer Intensität. Eine erneute Eskalation des Krieges ‌könne die Märkte jedoch treffen. Vujcic wird im Juni Nachfolger des scheidenden EZB-Vizechefs Luis de Guindos.

Die EZB hatte die Leitzinsen im vergangenen ​Monat unverändert ​gelassen. Sie signalisierte allerdings Bereitschaft zu ⁠einer strafferen Geldpolitik, sollten die hohen ​Energiepreise auf die gesamte Wirtschaft ⁠übergreifen und durch sogenannte Zweitrundeneffekte die Preise anderer Waren und ‌Dienstleistungen beeinflussen. Allerdings ist mit der aktuellen Waffenruhe in Nahost auch die Hoffnung auf ein Ende der Kämpfe ‌verbunden: Die Verhandlungsteams der USA und des Iran könnten ​Insidern zufolge noch in dieser Woche für Friedensgespräche nach Islamabad zurückkehren.

(Reuters)