Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt auch nach Ausbruch des Nahostkonflikts zinspolitisch flexibel. Sie ‌werde ⁠ihre Geldpolitik von Sitzung zu Sitzung neu festlegen, sagte EZB-Präsidentin ⁠Christine Lagarde am Donnerstag. Die EZB werde ihre Entscheidungen «auf Grundlage aller verfügbaren, analysierbaren ‌und sorgfältig zu prüfenden Daten» treffen, erklärte ‌die Französin in einer Fragerunde ​an der Johns Hopkins University in Bologna.

Es gebe kein festgelegtes Tempo für die geldpolitische Ausrichtung. «Ich denke, dass diese beiden Aspekte die EZB und das Eurosystem in eine gute ‌Position versetzen, die aktuellen Schocks sehr genau zu beobachten und ihre Folgen für die Zukunft zu verstehen», fügte sie hinzu.

Der Krieg ​der Verbündeten USA und Israel gegen ​den Iran, der sich auf andere ​Golfstaaten ausgeweitet hat, droht die Inflation anzuheizen und das schwache Wachstum der ‌Euro-Zone durch höhere Energiepreise und gestörte Lieferketten zu bremsen. Wichtige Öllieferrouten sind blockiert, die Energiepreise steigen.

Ein längerer Krieg im Nahen ​Osten ​könnte laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane ⁠die Inflation in der Euro-Zone anheizen ​und die Wirtschaft ausbremsen. ⁠Laut EZB-Vizepräsident Luis de Guindos ist jedoch das Basisszenario, ‌dass der Krieg nur von kurzer Dauer ist. «Sollte er länger andauern, besteht das Risiko, dass sich die ‌Inflationserwartungen ändern», warnte der Spanier auf einer Veranstaltung ​in Brüssel. 

(Reuters)